Letztes Update am Mo, 22.07.2019 12:18

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mindestens 20 Tote bei Luftangriffen in Syrien



Bei Luftangriffen auf die von Rebellen gehaltene Region Idlib im Nordwesten Syriens sind Menschenrechtlern zufolge mindestens 20 Menschen getötet worden. Darunter befänden sich sieben Kinder und der Bürgerjournalist Anas al-Djab, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Er sei bei einem russischen Luftangriff auf seine Heimatstadt Khan Sheichun getötet worden.

Die Hilfsorganisation der Weißhelme, der al-Djab angehörte, bestätigte seinen Tod. Der Anfang Zwanzigjährige berichtete als Fotograf und Kameramann aus den umkämpften Gebieten. Al-Djab wurde in der Stadt Idlib beigesetzt.

Die Bomben hätten einen Markt in der Stadt Maarat al-Numan in der Provinz Idlib getroffen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag weiter. Sie machte russische Jets für die Angriffe verantwortlich. Mehr als 50 Menschen seien verletzt worden, viele weitere seien unter Trümmern begraben.

Moskau ist im syrischen Bürgerkrieg ein Verbündeter der Regierung. Russische und syrische Flugzeuge fliegen immer wieder Angriffe auf das Rebellengebiet rund um die Stadt Idlib. Erst am Sonntag waren bei Bombardierungen nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter mindestens elf Zivilisten getötet worden. Dominiert wird das Rebellengebiet von der Al-Kaida-nahen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS). Dort leben etwa drei Millionen Menschen, rund die Hälfte davon Vertriebene.

Aktivisten zufolge stieg in Maarat al-Numan schwarzer Rauch über dem Stadtzentrum auf. Ihnen zufolge flogen Kampfflugzeuge vier Angriffe hintereinander auf dieselbe Gegend. Die Aktivisten veröffentlichten das Video einer verschleierten Frau, die US-Präsident Donald Trump auf Englisch mit amerikanischem Akzent dazu aufruft, das „Massaker gegen Zivilisten“ zu stoppen.

Der Nordwesten ist die letzte große Hochburg der Opposition gegen Präsident Bashar al-Assad. Al-Assad hat geschworen, das ganze Land zurückzuerobern, konnte in den vergangenen Wochen aber kaum militärische Erfolge verzeichnen. Der Beobachtungsstelle zufolge hat sich die Zahl der Zivilisten, die von syrischen Regierungskräften oder den mit ihnen verbündeten russischen Einheiten bei Bombenangriffen im Nordwesten getötet wurden, seit Ende April auf 682 erhöht. Umgekehrt seien 53 Zivilisten durch Rebellenangriffe auf staatliche Gebiete getötet worden. Hinzu kämen etwa 1.500 Kämpfer auf beiden Seiten, die in diesem Zeitraum ums Leben kamen.

In der Provinz gilt seit vergangenem September eine Waffenruhe, doch Truppen von Machthaber Bashar al-Assad fliegen dort mit Hilfe der russischen Luftwaffe seit Ende April verstärkt Luftangriffe gegen die Rebellen. Der Großteil von Idlib wird von der Jihadistenallianz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) dominiert, die aus dem syrischen Al-Kaida-Ableger hervorgegangen ist.




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