Letztes Update am Mo, 22.07.2019 13:25

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Chef der Internationalen Atomenergiebehörde Amano gestorben



Der Chef der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Yukiya Amano, ist tot. Das teilte die IAEO am Montag mit. Details zur Todesursache des 72-jährigen Japaners nannte die Behörde nicht. Amano stand seit 2009 an der Spitze der IAEO, die unter anderem die Einhaltung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran überwacht.

Der 1947 geborene Diplomat Amano litt seit längerem an gesundheitlichen Problemen. In dieser Woche wurde mit der Bekanntgabe seines vorzeitigen Rücktritts im März 2020 gerechnet. Der Japaner hatte bereits sein drittes Mandat inne, das eigentlich noch bis November 2021 gelaufen wäre. In seinem Rücktrittsschreiben erklärte Amano der IAEO zufolge, er habe während seiner Amtszeit „konkrete Ergebnisse“ erreicht und sei „sehr stolz“ auf das Wirken der Behörde.

Im vergangenen Herbst hatte die internationale Organisation mitgeteilt, dass sich ihr Generaldirektor einem nicht näher erläuterten medizinischen Eingriff unterzogen habe. Angaben zur Krankheit wurden nicht gemacht. Bei öffentlichen Auftritten wirkte der IAEO-Chef aber zunehmend gebrechlicher.

„Das Sekretariat der Internationalen Atomenergiebehörde bedauert, den Tod von Generaldirektor Yukiya Amano mitteilen zu müssen“, schrieb die Behörde am Montag. Die IAEO-Flagge am UNO-Gebäude in Wien wurde auf halbmast gesetzt.

In Amanos Amtszeit fiel die Unterzeichnung des internationalen Atomabkommens in Wien zwischen dem Iran sowie Großbritannien, China, Frankreich, Deutschland, Russland und den USA im Jahr 2015. Im vergangenen Jahr kündigten die USA den Vertrag einseitig auf und verhängten neue Sanktionen gegen Teheran.

Die österreichischen Staatsspitzen zeigten sich betroffen über den Tod Amanos. „Mit Yukiya Amano verlieren die internationale Gemeinschaft und der Amtssitz Wien eine wichtige Persönlichkeit im Kampf um den nuklearen Frieden“, hieß es von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein zeigte sich „tieftraurig“ über Amanos Tod, wie es in einem Tweet von Regierungssprecher Alexander Winterstein hieß.

Die US-Mission bei den internationalen Organisationen in Wien würdigte Amano als einen „großen Freund“ der Vereinigten Staaten und „aller Befürworter der Nichtverbreitung von Atomwaffen“, wie Botschafterin Jackie Wolcott mitteilte. Lassina Zerbo, Chef der ebenfalls in Wien ansässigen Atomteststopp-Behörde CTBTO, die weltweit Atomwaffentests überwacht, zeigte ebenfalls sein Bedauern über Amanos Ableben. „Er war ein vorbildlicher Diplomat und Vertreter Japans, der sich für die Verwirklichung einer friedlicheren und prosperierenderen Welt einsetzte.“

Die IAEO muss nun inmitten der Spannungen zwischen dem Iran und den USA einen Nachfolger für Amano suchen. Über die Ernennung des neuen Chefs entscheiden Vertreter der 35 Staaten, die zusammen den Gouverneursrat bilden. Wann ein Nachfolger ernannt wird, ist bisher offen. Bewerben will sich der argentinische Botschafter bei der IAEO, Rafael Grossi. Diplomaten gehen davon aus, dass auch der Rumäne Cornel Feruta kandidieren wird, der derzeit Chefkoordinator der Behörde ist. Darüber hinaus könnten noch andere Bewerber ins Rennen gehen. Es wird aber kein Kurswechsel der IAEO bei wichtigen Themen wie etwa den Konflikten mit dem Iran und mit Nordkorea erwartet.

Die IAEO hat 171 Mitgliedstaaten. Sie spielt eine zentrale Rolle im Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen.




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