Letztes Update am Mi, 24.07.2019 15:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Iran ist gesprächsbereit und schlägt Tanker-Austausch vor



Zur Beilegung des Tankerstreits hat der iranische Präsident Hassan Rouhani einen Austausch der festgesetzten Öltanker beider Länder in Aussicht gestellt. „Wir wollen keine Spannungen, und wenn sich alle an die Vorschriften halten, auch an die in Gibraltar, dann werden sie (die Briten) von uns eine geeignete Antwort erhalten“, sagte Rouhani bei einer Kabinettssitzung am Mittwoch.

Der Iran sei weder stur, noch wolle er einen Konflikt am Persischen Golf, aber der Iran werde auch nicht auf Druck und Drohungen klein beigeben, so der Präsident nach Angaben seines Webportals.

Die britische Regierung hat nach Angaben der Führung in Teheran unterdessen einen Vermittler ins Land geschickt, um über die Freigabe des vom Iran festgehaltenen britischen Tankers zu verhandeln. Die iranische Regierung solle überzeugt werden, den Tanker wieder freizugeben, teilte das Büro von Ayatollah Ali Khamenei, dem Obersten Führer der Islamischen Republik, mit. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Die Reederei des Öltankers „Stena Impero“ konnte am Dienstagabend erstmals mit der Besatzung des Schiffs sprechen, teilte das schwedische Schifffahrtsunternehmen Stena Bulk am Mittwoch mit. Der Kapitän habe die Reederei benachrichtigt, dass jedes der Besatzungsmitglieder in Sicherheit sei und gut mit dem iranischen Personal an Bord kooperiert werde.

„Wir wissen diesen Entwicklungsschritt natürlich zu schätzen“, erklärte Reedereichef Erik Hanell. Er handle sich um ein erstes Zeichen, dass man bald weiteren Fortschritt vonseiten der iranischen Behörden sehen werde. Der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ sagte Hanell, der Kapitän habe davon berichtet, dass die Crew zwar gut behandelt werde und körperlich unversehrt sei, die Situation aber eine große psychische Belastung für sie sei. An Bord befinden sich 23 Besatzungsmitglieder aus Indien, Russland, Lettland und von den Philippinen.

Die deutschen Reeder brachten unterdessen den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg als möglichen Weg zu einer Lösung ins Gespräch. „Wir appellieren an die Konfliktparteien, den Weg über den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg zu gehen, um aufzuklären, was tatsächlich in der Straße von Hormuz und in der Straße von Gibraltar vorgefallen und wie das rechtlich zu bewerten ist“, sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder.

Die jüngste Eskalation des Tanker-Konflikts begann am 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar ein Supertanker mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt wurde. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Am vergangenen Freitag stoppten die Iranischen Revolutionsgarden dann den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ in der Straße von Hormuz. Das Schiff habe internationale Vorschriften nicht beachtet, erklärten sie. Außerdem soll die „Stena Impero“ ihr GPS-System ausgeschaltet und umweltschädigende Materialien am Bord gehabt haben. Großbritannien sprach von einem Akt „staatlicher Piraterie“.

Nach der Festsetzung des britischen Tankers durch den Iran will die Regierung in London jetzt eine von europäischen Ländern angeführte Seeschutzmission in der Region auf den Weg bringen. Dieser angedachte Einsatz soll Schiffe schützen, die durch die für den internationalen Handel wichtige Meerenge fahren. Die Reaktionen darauf waren zurückhaltend.

Die Krise mit dem Iran trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten. Die neue Regierung unter Tory-Chef Boris Johnson wird sich ab dem heutigen Mittwoch auf das weitere Vorgehen im Fall Iran verständigen müssen.




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