Letztes Update am Mi, 24.07.2019 16:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburger Festspiele mit „ältestem Immigrantendrama“



Am kommenden Dienstag hat Luigi Cherubinis 1797 uraufgeführte Oper „Medee“ bei den Salzburger Festspielen Premiere. Für Regisseur Simon Stone, der am Mittwochnachmittag gemeinsam mit Dirigent Thomas Hengelbrock vor Journalisten einen ersten Einblick in die Inszenierung gab, ist die Geschichte von Medea „das älteste Immigrantendrama der Welt“.

Es gehe um ein Drinnen und ein Draußen, Medea bitte um Asyl, aber es werde ihr verweigert, sagte Stone. Wenn man keinen Zugang zum Recht habe, entstehe das Gefühl, dass man sich selbst Gerechtigkeit verschaffen müsse, meinte der Theatermacher. Man verzweifle. Medea begehe ein Verbrechen, das unvorstellbar sei.

Man frage sich, warum eine Mutter ihre Kinder töte. Und müsse auch fragen, warum eine Gesellschaft nicht bemerke, dass dieser Mensch Hilfe brauche. Für Stone geht es in der Inszenierung des Stoffes vor allem darum, das, was in der Musik Cherubinis ohnehin angelegt ist, zu unterstützen. Die Zuschauer müsste das Gefühl bekommen, dass der Geist der Musik in der Inszenierung sei und umgekehrt, beschrieb der Regisseur seine Herangehensweise: „Ich muss beim Inszenieren nicht viel tun, außer das, was in der Musik schon drinnen ist.“

Die Musik, die Cherubini für „Medee“ geschaffen habe, sei „unglaublich toll“, meinte Hengelbrock. Cherubini, der von seinen Zeitgenossen als einer der bedeutendsten Komponisten geschätzt wurde, habe mit „Medee“ „eine außerordentlich moderne und psychologisch durchdachte Partitur“ geschaffen. Der Beginn sei sanft und voller Liebe, Medea vermisse ihre Kinder.

„Cherubini hat sich psychologisch sehr heutig in diese Frauenfigur eingefunden“, meinte der Dirigent. Cherubinis Musik sei nicht einem flächigen Klang verpflichtet. Er setze das, was gesprochen und gemeint wird, direkt in Musik um. „Die Musik steht aufrecht, jede Phrase ist artikuliert“, spricht Hengelbrock von einer großen Herausforderung für das Orchester. Er habe eine neue Fassung geschrieben, die dem Großen Festspielhaus entspreche, sagte der musikalische Leiter der Produktion. Ursprünglich war die Oper nämlich für ein kleines Pariser Theater geschaffen und dann von Cherubini selbst für größere Häuser adaptiert worden.

Und warum hat es ein so tolles Stück nicht in das gängige Opernrepertoire geschafft? „Ich glaube, es liegt an der Gattung der Opera-Comique, die mit großen Dialogflächen arbeitet“, meinte Hengelbrock. Das sei schwer umzusetzen. Außerdem seien viele Werke aus dieser Zeit aus dem Repertoire verschwunden.

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