Letztes Update am Mi, 24.07.2019 16:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mutter erlag nach Bluttat in NÖ einem Herzdurchstich



Am Tag nach dem Bekanntwerden der Bluttat an einer etwa 55-jährigen Frau in Kirchschlag in der Buckligen Welt (Bezirk Wiener Neustadt-Land) im südlichen Niederösterreich hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch das vorläufige Obduktionsergebnis bekanntgegeben. Die Frau starb demnach infolge eines Herzstichs. Über ihren Sohn im Alter von 14 Jahren wurde die Untersuchungshaft verhängt.

Das Opfer erlitt nach Angaben von Markus Bauer von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt auch eine Stichverletzung am Nacken und eine etwa zwei Zentimeter lange Schnittwunde am Hinterkopf. Die genaue Anzahl der Stiche, die der Jugendliche am Montag mit einem Küchenmesser gegen seine Mutter gesetzt haben soll, war vorerst nicht bekannt. Der Behördensprecher verwies in diesem Zusammenhang auf das schriftliche Obduktionsergebnis, das erst in einigen Wochen vorliegen werde. Weitere Gutachten wurden seitens der Staatsanwaltschaft noch nicht in Auftrag gegeben.

Hinsichtlich der Verantwortung des 14-Jährigen hatte Bauer schon zuvor festgestellt, dass der Jugendliche einen Mordvorsatz bestritt, aber umfassende Angaben zum Geschehen machte. „Ein vollinhaltliches Geständnis liegt nicht vor“, betonte der Staatsanwalt.

Seit Mittwochmittag sitzt der Verdächtige in Untersuchungshaft. Diese ist vorerst bis zum 7. August befristet, teilte eine Sprecherin des Landesgerichts Wiener Neustadt mit.

Die Kinder- und Jugendhilfe des Landes Niederösterreich erklärte unterdessen, dass es in der Vergangenheit „hin und wieder lockere Kontakte“ zur alleinerziehenden Mutter des 14-Jährigen gegeben hätte. Eine „intensive Betreuung“ sei aber nicht vorgelegen, sagte Peter Rozsa, der stellvertretende Leiter der Fachabteilung. Die Bluttat sei „völlig unvorhersehbar“ gewesen, betonte er. Auch für die Kinder- und Jugendhilfe stelle die gegenwärtige Lage eine „Ausnahmesituation“ dar.

Nach der Tötung der Frau hat der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) auf die Frauenhelpline gegen Gewalt unter 0800-222-555 hingewiesen. Die Notrufnummer solle in ganz Österreich bekannt sein und verbreitet aufliegen - etwa in Geschäften, Bildung- und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie bei Ärzten -, hieß es.

„Es ist bereits der 14. Mord an einer Frau durch den eigenen Partner oder durch ein männliches Familienmitglied im heurigen Jahr“, so AÖF-Geschäftsführerin Maria Rösslhumer am Mittwoch. Laut einer EU-Studie aus dem Jahr 2014 wisse nur jede fünfte Frau, wohin sie sich bei häuslicher Gewalt wenden könne. Die Telefonberatung ist kostenlos, anonym und täglich rund um die Uhr erreichbar. Bei den Beraterinnen handle es sich um ein professionelles Team von Sozialarbeiterinnen und langjährigen Expertinnen aus dem Gewaltschutzbereich. Beratungen in mehreren Fremdsprachen werden ebenfalls angeboten.




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