Letztes Update am Do, 25.07.2019 16:25

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukraine setzte russischen Tanker in Donauhafen fest



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Ukrainische Behörden haben im Hafen von Izmail an der Donau ein russisches Tankschiff festgesetzt. Das Schiff sei am Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch beteiligt gewesen, so ukrainische Sicherheitskräfte am Donnerstag. Bei Gericht sei ein Antrag gestellt worden, das Schiff unter Bewachung zu stellen. Russland drohte mit Konsequenzen, sollten russische Bürger als Geiseln gehalten werden.

Das Schiff namens „Nejma“ habe im vergangenen November im Verband mit anderen russischen Schiffen vor der von Russland annektierten Halbinsel Krim an der Beschlagnahme ukrainischer Marineschiffe teilgenommen, teilte der ukrainische Geheimdienst SBU mit. Nun sei der Tanker in „Nika Spirit“ umbenannt worden, „um die Beteiligung an illegalen Vorgängen zu verschleiern“. Das Schiff sei in die Donauhafenstadt Izmail in der Region Odessa, nahe dem Schwarzen Meer eingelaufen und dann sei seine wahre Identität festgestellt worden.

Russland nannte das Vorgehen eine Provokation. „Wir prüfen, was passiert ist, um angemessene Maßnahmen zu ergreifen“, sagte ein Sprecher des russischen Außenministeriums. „Sollten Russen als Geiseln gehalten werden, würde dies als schwerste Verletzung internationalen Rechts erachtet, und mit zügigen Konsequenzen würde zu rechnen sein.“ Die Agentur Interfax berichtete weiter, der einflussreiche Abgeordnete Wladimir Dschabarow habe die Festsetzung des Tankers als „absolut illegal“ bezeichnet.

Die ukrainische Halbinsel Krim war im März 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland ins eigene Staatsgebiet eingegliedert worden. Die Regierung in Kiew und der Westen sehen dies als völkerrechtswidrige Annexion an und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine. Die EU und die USA verhängten wegen der Annexion Sanktionen gegen Moskau.

Im vergangenen November war der seit Jahren schwelende Konflikt in der Straße von Kertsch eskaliert. Die Meerenge zwischen der von Russland annektierten Halbinsel Krim und Südrussland verbindet das Schwarze und das Asowsche Meer. In dieses Gewässer verwehrte Russland mit Hilfe eines Frachtschiffs drei ukrainischen Marinebooten die Einfahrt. Russische Grenzschutzboote beschossen die ukrainischen Schiffe und verletzten dabei mehrere Matrosen. Dann beschlagnahmten sie die Boote und brachten sie mit ihren Besatzungen in die Hafenstadt Kertsch. Die Seeleute befinden sich seitdem im russischen Gewahrsam.

Vor zwei Wochen hatte sich eine leichte Annäherung der seit der Krim-Annexion und dem Krieg in der Ost-Ukraine verfeindeten Regierungen in Kiew und Moskau angedeutet. Erstmals telefonierten der neue ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Russlands Präsident Wladimir Putin miteinander.

Eine Woche später schlug Selenskyj Russland einen Gefangenenaustausch vor. Die russische Menschenrechtskommissarin Tatjana Moskalkowa wies das Angebot jedoch mit der Begründung zurück, dass der betroffene russische Gefangene, der Journalist Kirilo Wyschinski, einen Austausch ablehne. Der heutige Vorfall werde den Austausch erschweren, so Dschabarow. Er vermutete dahinter „bestimmte Kreise“ in den Behörden des abgewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Dies ziele wohl darauf ab, die sich abzeichnende Normalisierung der Beziehungen unter Selenskyj zu untergraben.




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