Letztes Update am Sa, 27.07.2019 17:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hamilton Nutznießer bei Ferrari-Desaster in Hockenheim



Lewis Hamilton hat das Ferrari-Desaster gnadenlos ausgenützt. Der WM-Leader fuhr am Samstag beim Qualifying für den Formel-1-Grand-Prix von Deutschland souverän seine 87. Karriere-Pole ein. Neben dem britischen Titelverteidiger wird Max Verstappen im Red Bull (+0,346) stehen. Ferrari erlebte nach dominanten Trainings den nächsten Nackenschlag.

Die zweite Startreihe werden Hamiltons und Verstappens Teamkollegen, Valtteri Bottas (+ 0,362) und Pierre Gasly (0,755), bilden. Dahinter zeigte Altmeister Kimi Räikkönen im Alfa Romeo als Fünfter auf.

Für Sebastian Vettel platzten die Träume von einem Heimsieg bereits nach wenigen Minuten. Der Ferrari-Star schied am Samstag wegen eines technischen Defekts an seinem Auto schon in der ersten Phase aus. „Ich habe ein Problem, ich habe Leistung verloren“, klagte er.

In diesem Augenblick ahnte die Scuderia, die die freien Trainings dominiert hatte, noch nicht, dass Youngster Charles Leclerc das Frusterlebnis in Rot bald komplett machen würde. Der 21-jährige Monegasse blieb im dritten K.o.-Abschnitt ohne gezeitete Runde und wurde nur Zehnter. „Ich habe keine Ahnung, ob es dasselbe Problem wie bei Seb war, bei mir lag es an einem Problem im Benzinsystem“, meinte Leclerc.

Der Mercedes rollte in der Qualifikation für das 200. Rennen in der Geschichte des Rennstalls wieder einmal verlässlicher. Und Hamilton ließ sich die Steilvorlage nicht entgehen. „Lewis, du hörst nie auf, uns zu verblüffen“, gratulierte ein verzückter Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Sein Schützling grinste nach seiner vierten Saison-Pole ebenfalls über das ganze Gesicht. „Es ist nach Silverstone unser zweites Heimrennen. Es ist daher umso wichtiger, dass wir auch schnell sind. Besser geht‘s nicht“, sagte der Vorjahressieger.

Hamilton traute indes dem nun wohl ausbleibenden Duell mit Ferrari nach. „Schade, sie waren das ganze Wochenende schnell“, meinte der in der WM 39 Punkte vor seinem Stallrivalen liegende Brite. Sein Chef schloss sich an. „Es ist natürlich fürchterlich, es ist Sebastians Heim-Grand-Prix. Die haben wirklich die Seuche“, bemerkte Wolff. „Wir brauchen Ferrari in dem Wettbewerb, man kann nur hoffen, dass sie zurückfinden.“

„Mir stinkt das jetzt, die Chance richtig weit vorne zu stehen, wäre gut gewesen“, meinte Vettel. Aber anders als Ferrari brachte Red Bull zwischenzeitlich offenbar aufgetretene Probleme bei Verstappens Wagen rechtzeitig in den Griff. Der Niederländer hatte seinen ersten Run in Q2 nicht beenden können, rettete sich aber noch in die Entscheidung - und löste dort sogar noch sein Ticket für die erste Startreihe.

Das Rennen am Sonntag (Start: 15.10 Uhr/live ORF 1) könnte nach derzeitigem Stand das letzte in Deutschland für längere Zeit sein. Die Betreiber des Kurses in Nordbaden können die Antrittsgebühren - in Baku etwa sollen es zwischen 40 und 50 Millionen Euro sein - schon lange nicht mehr aufbringen. Bereits für heuer konnte das Rennen erst gesichert werden, nachdem sich Mercedes als Titelsponsor verpflichtet hatte. Werden die Strecken im niederländischen Zandvoort und in Vietnam rechtzeitig fertig, rechnen sich die Betreiber in Hockenheim nur noch minimale Chancen aus.




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