Letztes Update am Sa, 27.07.2019 22:41

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Idomeneo“: Mozart-Glück und leere Luftblasen in Salzburg



Man kennt das ja: Die Fortsetzung reicht meist nicht an das Original heran. Obwohl und gerade weil man auf bewährte Rezepte gesetzt hat. Vor zwei Jahren schrieben Peter Sellars und Teodor Currentzis mit Mozarts „Tito“ in Salzburg Festspielgeschichte. Am Samstagabend legten sie mit „Idomeneo“ Teil 2 vor. Und der ist zwar musikalisch erneut ein Glücksfall, bleibt szenisch aber diffus.

Currentzis sorgt - diesmal mit dem Freiburger Barockorchester und erneut mit seinem fantastischen musicAeterna Chor aus Perm - auch im „Idomeneo“ für ein außerordentlich dichtes und detailreiches Mozart-Erlebnis, das auch die Sänger ganz selbstverständlich mit einschließt. Besonders die beiden Sopranistinnen Ying Fang und Nicole Chevalier werden nach diesem Festspieldebüt im Gedächtnis bleiben. Einige Rezitative wurden gestrichen, dafür die Ballettmusik am Ende voll gespielt - mit einem traditionellen Tanz von der Pazifik-Insel Samoa.

Was es mit diesem Tanz, was es mit den seltsamen aufgeblasenen Plastikfiguren, was es mit den Uniformen für Chor und männliche Protagonisten auf sich hatte, blieb allerdings rätselhaft - und lässt sich nur dann vage entschlüsseln, wenn man Peter Sellars‘ heutige, erläuternde Festspielrede gehört hat. Aus der „Clemenza di Tito“ sind freilich nicht nur Dirigent, Regisseur und Chor geblieben, sondern mit Russell Thomas auch der Darsteller der Titelfigur sowie aus dem Boden der Felsenreitschule emportretende Lichtsäulen, die die Bühne auch optisch sehr an 2017 gemahnen lassen.

Doch was beim „Tito“ zumindest assoziativ funktioniert hat, bleibt hier im Wesentlichen Dekoration. Leere Luftblasen. Am Ende gab es viel Jubel, durchsetzt von einzelnen Buhs für die Regie. Damit sind die Salzburger Festspiele nun endlich so richtig eröffnet.




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