Letztes Update am So, 28.07.2019 14:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zwei Männer in Bahrain wegen Terrorvorwürfen hingerichtet



Im Golf-Staat Bahrain sind am Samstag zwei Schiiten wegen Terrorvorwürfen hingerichtet worden. Die zwei Männer wurden zusammen mit einem zum Tode verurteilten Mörder erschossen, wie die Staatsanwaltschaft des sunnitisch regierten Landes mitteilte. Justizkreise bestätigten, dass es sich um zwei Schiiten handelte, ihre Namen wurden aber nicht genannt. Die EU verurteilte die Hinrichtungen scharf.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen handelte es sich um den 25-jährigen Ali al-Arab und den 24-jährigen Ahmed al-Malali. Die beiden jungen Männer waren im Februar 2017 festgenommen worden. Im Jänner 2018 wurden sie in einem als unfair kritisierten Massenprozess gegen 60 Angeklagte zum Tode verurteilt. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden sie im Gefängnis gefoltert.

Die Staatsanwaltschaft warf ihnen die Gründung einer terroristischen Vereinigung vor, die mehrere Anschläge begangen haben soll. Die mutmaßliche Terrorgruppe soll im Jänner 2017 ein Gefängnis südlich der Hauptstadt Manama angegriffen haben. Dabei war ein Wachmann getötet worden, zehn Häftlinge konnten fliehen. Die Gruppe wurde zudem für zwei tödliche Angriffe auf Polizisten verantwortlich gemacht.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wurden die Familien der beiden jungen Männer am Freitag ins Gefängnis gerufen, um Arab und Malali ein letztes Mal zu besuchen. Die HRW-Vertreterin für den Nahen Osten, Lama Fakih, hatte Bahrains König Hamad kurz vor der Hinrichtung noch um Gnade für die beiden Männer gebeten. Wenn er das Todesurteil trotz der Foltervorwürfe und der Verfahrensmängel bestätige, begehe er „großes Unrecht“, warnte sie.

Auch das Bahrain Center for Human Rights verurteilte die Todesstrafen. Die Hinrichtungen zeigten einmal mehr Bahrains „Missachtung“ internationaler Prozess-Standards.

EU-Sprecherin Maja Kocijancic erklärte in Brüssel, die Hinrichtungen seien erfolgt, obwohl es „Bedenken“ gebe, dass die Verurteilungen auf Grundlage von Folter zustande gekommen seien. Die Todesstrafe sei eine „grausame, unmenschliche und entwürdigende Bestrafung“.

Der Iran warf Bahrain vor, eine „Politik zur Beseitigung von Regierungskritikern“ zu betreiben. Ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran beschuldigte Bahrain, Regierungskritiker zu unterdrücken „statt die hausgemachte Krise durch einen Friedensschluss mit der Bevölkerung zu lösen“.

Am Samstagabend kam es in mehreren schiitischen Dörfern am Rande der Hauptstadt Manama zu Demonstrationen gegen die Hinrichtungen, wie Augenzeugen berichteten. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Bahrain hat eine überwiegend schiitische Bevölkerung, der kleine Inselstaat im Persischen Golf wird aber seit mehr als zwei Jahrhunderten von einem sunnitischen Königshaus beherrscht. 2011 wurden wochenlange Kundgebungen der schiitischen Opposition für mehr Demokratie blutig niedergeschlagen. Seitdem wurden Hunderte Oppositionelle inhaftiert und alle Oppositionsgruppen verboten und aufgelöst.




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