Letztes Update am So, 28.07.2019 15:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Begeisterungssturm zum Finale der OÖ. Stiftskonzerte



Mit Konzerten in den klösterlichen Prunksälen der Stifte Kremsmünster und St. Florian sind die heurigen Oberösterreichischen Stiftskonzerte am Wochenende zu Ende gegangen. Das Finale am Sonntagmittag war dem norwegischen Ensemble Barokksolistene anvertraut. Die international gefeierten Vollblutmusiker begeisterten mit einer Performance, wie sie die Stiftskonzerte noch nie erlebt haben.

Das vom norwegischen Geiger Bjarte Eike 2005 gegründete Ensemble setzt sich aus Musikern aus Norwegen, Schweden, Großbritannien und Deutschland zusammen. Eike verschiebt mit seinen Projekten die Grenzen der klassischen Musik und verlässt damit bewusst die landläufige Konzerttradition. Eine dieser inzwischen europaweit gefeierten Performances präsentierten die Barokksolistene erstmals auch bei den OÖ. Stiftskonzerten: Unter dem Titel „Purcells Playground“ umfasste der erste Programmteil Instrumentalmusik, Lieder und Arien des „Orpheus britannicus“. Bereits hier sprengten die Musiker - die das gesamte Konzert ohne ein einziges Notenblatt spielten - gelegentlich auch räumlich das Podium.

Mit intensiver Innigkeit sang die Sopranistin Mary Bevan Purcells Lieder und Arien, während die Instrumentalsolisten - angeführt von Bjarte Eike - eine phänomenale Virtuosität an den Tag legten. Diese Instrumental-Choreografie ließ einen Purcells musikalische Wiederholungen vergessen. Gitarrist Steven Player beeindruckte auch mit wirbelnden Tanzeinlagen. Jeder Instrumentalist erhielt solistische Aufgaben und auch gesanglich wurde Beachtliches geleistet.

Im zweiten Teil des Konzerts präsentierten die Musikerinnen und Musiker eine „Alehouse Session“ des 17. Jahrhunderts. In England wurden unter Oliver Cromwell nicht nur die Theater geschlossen, auch im öffentlichen Raum war Musik streng verpönt. Das Wirtshaus wurde zum Ort des Musizierens und Singens. Die „Alehouse Session“ der Barokksolistene hatte zwar mit dem Marmorsaal nicht gerade den entsprechenden optische Rahmen. Sie rissen aber mit ihrer professionellen Improvisation, mit den Seemanns- und Trinkliedern das Publikum mit - der volle Saal beteiligte sich auch stimmstark an kurzen Einwürfen in ein Seemannslied. Das zum Wirtshaus gehörende Bier hatten allerdings nur die Musiker zur Hand. Die Zugaben schließlich gipfelten in einer brillant choreografierten Wirtshausrauferei in Zeitlupe. Endloser Jubel und Standing Ovations.

Nordische Musik hatte am Freitagabend im Kaisersaal von Stift Kremsmünster bei einem Konzert des Münchner Kammerorchesters den Ton angegeben. Der irländische Komponist David Fennessy - Jahrgang 1976 - ist hierzulande kaum bekannt. Unter der Leitung ihres Konzertmeisters Daniel Giglberger, der dabei auch solistisch zum Einsatz kam, spielten die 16 Streicher Fennessys 2015 uraufgeführtes Werk „Hirta Rounds“, ein Kompositionsauftrag des Münchner Kammerorchesters. Ein einerseits stark rhythmisch, dann aber wieder über weite Strecken meditativ angelegtes Werk, das der Komponist unter dem Eindruck eines Besuchs der unbewohnten, weitab nordwestlich von Schottland im Atlantik liegenden Insel Hirta geschaffen hat. Höhepunkt des Konzerts war Felix Mendelsson Bartholdys Konzert für Violine und Orchester d-Moll. Die bekannte deutsche Geigerin Carolin Widmann rettete den Abend, indem sie kurzfristig für eine erkrankte Kollegin einsprang. Ihr wahrlich meisterhaftes Spiel wurde vom Publikum lautstark gefeiert. Edward Griegs Suite im alten Stil „Aus Holbergs Zeiten“ beschloss den hörenswerten Abend.




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