Letztes Update am So, 28.07.2019 16:12

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Heftige Unwetter und Millionenschäden in Süd-Österreich



Unwetter mit bis zu tennisballgroßen Hagelkörnern haben am Samstag eine Spur der Verwüstung durch das südliche Burgenland, die Steiermark und Kärnten gezogen. Dabei entstanden Schäden von drei Millionen Euro an landwirtschaftlichen Kulturen, teilte die Hagelversicherung mit. 12.000 Hektar mit Getreide, Mais, Soja, Kürbis oder Wein sind betroffen. Heftige Gewitter trafen auch Tirol und Vorarlberg.

In der Steiermark waren vor allem die Regionen um Leibnitz, Feldbach, Graz-Umgebung und Mürzzuschlag betroffen. Erhöhte Einsatztätigkeit verzeichnete man in Voitsberg, Radkersburg, Bruck/Mur, Deutschlandsberg, Judenburg, Knittelfeld und Liezen. In Kärnten wurden die Bezirke Feldkirchen und Klagenfurt und im Burgenland der Bezirk Oberwart in Mitleidenschaft gezogen.

Die Feuerwehr musste Verkehrswegen von umgestürzten Baume befreien, Keller auspumpen sowie beschädigte Dächer provisorisch abdecken. Auch Stromleitungen waren durch umgestürzte Bäume beschädigt. Geknickte Bäume führten dazu, dass das Passieren von Straßen, Gehwegen oder Gleisanlagen unmöglich war.

Zusätzlich sorgten massive Niederschläge und Hagelschlag in einigen Gebieten für überflutete Straßen und Objekte, für kleinere Rutschungen bzw. für Verschlammungen und Unterspülungen. Vermutlich Blitzschläge setzten ein Wirtschaftsgebäudebrand im oststeirischen Gnas sowie einen Dachstuhl in Buch-Geiseldorf in Brand. Im obersteirischen Palfau wurden sechs Bergretter durch einen Blitzschlag nach der Bergung eines verunglückten Kletterers verletzt.

Neben den Hagelschauern gab es vor allem zwischen Feldbach und Leibnitz sehr große Regenmengen, die vom Niederschlagsmesssystem punktuell gar nicht mehr gemessen werden konnten, wie aus dem Büro von Katastrophenschutzreferent LHStv. Michael Schickhofer (SPÖ) mitgeteilt wurde. Wegen der heftigen Hagelunwetter und Regenmassen im Großraum Wildon südlich von Graz wurde der Verbund angewiesen, eine Wehranlage zu öffnen, die sich in der Nähe des Kraftwerksparks befindet, um Wasser abzulassen und dadurch Überflutungen zu vermeiden.

In Kleinlobming im Bezirk Murtal wurde durch das Unwetter gegen 18.15 Uhr eine Mure ausgelöst. Der Lobmingbach trat über die Ufer, dutzende Kubikmeter an Schlamm- und Geröllmassen setzten sich dabei in Bewegung und trafen schlussendlich auf den Keller eines Einfamilienhauses, wie ein Feuerwehrmann schilderte. Ein Bagger musste angefordert werden, um der tonnenschweren Geröllmassen Herr zu werden.

In Wartberg im Mürztal gingen zehn Wehren mit rund 200 Einsatzkräften von einer Übung am Sportplatz direkt in den Einsatz: Straßenunterführungen waren überflutet, Kellerräume mit Wasser voll und im Freßnitzgraben bei Krieglach ging eine Mure ab. Eine bei einer Fischerhütte befindliche Rollstuhlfahrerin saß fest. Erst durch den Einsatz eines Baggers der Marktgemeinde Krieglach und Hilfe durch die Feuerwehr Freßnitz konnte die Straße wieder freigeräumt werden: Die Frau gelangte unversehrt nach Hause.

Ein Zwischenfall mit einem Verletzten ereignete sich im Kärntner Bezirk Wolfsberg. Dort wurde ein 53-jähriger Landwirt auf einer Alm von einem in der Nähe in einen Baum einschlagenden Blitz verletzt. Der Mann wurde rund fünf Meter weit weggeschleudert und blieb bewusstlos liegen. Sein Sohn verständigte die Rettungskräfte. Der Bauer wurde ins LKH Wolfsberg gebracht, wie die Landespolizeidirektion mitteilte.

Heftige Unwetter verusachten am späten Samstagnachmittag im Tiroler Unterland Hangrutschungen und Überflutungen. In Kirchberg (Bezirk Kitzbühel) riss eine Gerölllawine ein Brückengeländer mit und verschüttete die L203 bis zu einem Meter tief, berichtete die Polizei. In Ebbs (Bezirk Kufstein) blockierten umgestürzte Bäume die B175. Straßen wurden kurzzeitig überflutet. Verletzt wurde niemand.

In Kirchberg trat gegen 17.30 Uhr der Brügglbach über die Ufer, nachdem sich eine halbe Stunde davor eine mächtige Gewitterzelle mit Windböen und Starkregen entladen hatte. Die Feuerwehr war mit 40 Personen im Einsatz, um die L203 von der Geröll- und Steinlawine frei zu räumen. Um 19.35 erfolgte die Freigabe der Straße und der Brücke, die augenscheinlich unbeschädigt geblieben war.

Im Bezirk Kufstein gingen zwischen 16.30 und 18.30 Uhr mehrere schwere Gewitter mit teilweise starkem Hagel nieder. Gegen 17.05 Uhr kamen durch die heftigen Sturmböen mehrere Nadelbäume zu Fall und blockierten die B175 in Ebbs, die dann bis 18.45 Uhr gesperrt werden musste. 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um die Bäume zu entfernen. Verletzte gab es bei beiden Ereignissen keine, Schäden an Fahrzeugen werden laut Polizei geprüft.

Im Kaiserbachtal (Bezirk Kitzbühel) verlegte nach Angaben der Leitstelle Tirol eine Hangrutschung die Straße rund 30 bis 40 Zentimeter tief. Drei Autos blieben im Schlamm stecken, die Insassen seien aber nicht in Gefahr gewesen, hieß es bei der Leitstelle. Am Weerberg ging ebenfalls eine kleinere Rutschung auf eine Straße ab. Weil zu viel Wasser auf der Fahrbahn lag und nicht schnell genug abfließen konnte, waren die Brixentalstraße und die Kössener Straße zwischen St. Johann und Kössen vorübergehend abschnittsweise gesperrt. Auch zu einigen Einsätzen wegen umgestürzter Bäume wurden die Feuerwehren gerufen.

Die Kaunertaler Gletscherstraße im Bezirk Landeck, die bereits am Donnerstagabend nach einem Murenabgang gesperrt worden war, ist nach Angaben der Polizei Landeck seit Sonntag, 7.00 Uhr, wieder frei befahrbar.

Am Samstagabend führten dann die Gewitter auch im Bezirk Bludenz zu einem Murenabgang und lokalen Überschwemmungen. In Sonntag-Buchboden im Großen Walsertal wurden laut Polizei vier geparkte Autos teils bis zum Dach von einer Mure verschüttet. In Nenzing und Bludesch-Gais wurden Straßen überflutet. Ein stecken gebliebenes Auto musste aus einer Unterführung geborgen werden. Verletzt wurde niemand.

Die Mure in Buchboden verschüttete gegen 21.00 Uhr Teile des Güterweges Metzgertobel und einen Parkplatz bei der Einmündung des Matonabaches in die Lutz. Vier Autos wurden durch die Schlamm- und Geröllmassen verschüttet, außerdem wurde die Stromversorgungsleitung des Gasthauses „Bad Rothenbrunnen“ beschädigt. Ein Notstromaggregat der Vorarlberger Kraftwerke versorgt das Gasthaus vorerst mit Strom. Hinweise auf Verletzte oder Verschüttete gibt es nach Angaben der Polizei keine. Die Autos werden in den kommenden Tagen geborgen.

Bereits gegen 18.30 Uhr war in Nenzing und Bludesch-Gais ein heftiges Hagelgewitter niedergegangen, das zu mehreren lokalen Überschwemmungen führte. Auf der Gaiserstraße L87 musste die Feuerwehr ein stecken gebliebenes Fahrzeug aus einer Unterführung bergen. Die L87 war im Bereich des Nenzinger Tunnels für rund eine Stunde nicht befahrbar. Auch andere Straßenabschnitte wurden überschwemmt, ebenso wie sechs Wohnhauskeller.

Insgesamt wurden die Einsatzkräfte in der Nacht auf Sonntag 27 Mal zu wetterbedingten Einsätzen gerufen, teilte die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle Feldkirch auf APA-Anfrage mit. In erster Linie mussten Keller ausgepumpt und umgestürzte Bäume weggeräumt werden. Schwerpunkt der Einsätze war der Bereich zwischen Dornbirn und Bludenz.




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