Letztes Update am So, 28.07.2019 17:15

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Anschlag in Kabul trübt Beginn des Präsidentenwahlkampfes



Der Beginn des Präsidentenwahlkampfes in Afghanistan ist von einem schweren Anschlag in der Hauptstadt Kabul überschattet worden. Bei einem Angriff auf das Büro des Vizepräsidentenkandidaten Amrullah Saleh ist mindestens ein Mensch getötet worden. Mindestens 13 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Majar, am Sonntag über Twitter mit.

Eine erste Explosion ereignete sich laut Innenministerium in der Nähe des Büros der Partei „Green Trend“ von Saleh. Daraufhin seien mehrere Angreifer in das Gebäude eingedrungen. Einer sei getötet worden. Der Angriff dauerte am Sonntagnachmittag (MESZ) noch an. Saleh ist der Kandidat von Präsident Ashraf Ghani für das Amt des Vizepräsidenten. Bisher hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt.

Am Sonntag hat der Wahlkampf für die Präsidentenwahl begonnen, die am 28. September stattfinden soll. Der lokale TV-Sender ToloNews berichtete, Saleh habe sich zum Zeitpunkt des Angriffs im Büro aufgehalten. Laut Innenministerium wurde er in Sicherheit gebracht. Ein Bild zeigt Saleh mit leichten Blutspuren am Oberarm. Seine Partei teilte über Twitter mit, ihm gehe es gut. Saleh war früher Innenminister und Chef des Geheimdienstes NDS. Er gilt als Anti-Taliban-Hardliner und Kritiker des pakistanischen Geheimdienstes.

Der Anschlag auf Saleh passierte einen Tag, nachdem die Regierung in Kabul erklärt hatte, sie werde innerhalb von zwei Wochen direkte Friedensverhandlungen mit den radikalislamischen Taliban aufnehmen. Die Taliban dementierten dies am Sonntag. Innerafghanische Gespräche werde es erst nach einer Ankündigung über den Rückzug internationaler Streitkräfte aus dem Land geben, erklärte Sohail Shahin, der Sprecher des politischen Büros der Taliban, auf Twitter.

Erst am Donnerstag wurden bei drei Explosionen in Kabul mindestens elf Menschen getötet und fast 50 weitere verletzt. Zwei Explosionen hatten einen Bus mit Mitarbeitern des Bergbauministeriums zum Ziel. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich. Zu einer Autobombe, die wenig später detonierte, bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Ziel sei ein Konvoi der internationalen Streitkräfte gewesen.




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