Letztes Update am So, 28.07.2019 17:28

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aktivisten: 24 tote Zivilisten nach Luftangriffen in Syrien



Syrische und russische Kampfjets haben die Rebellengebiete im Nordwesten Syriens nach Angaben von Aktivisten am Wochenende erneut unter Beschuss genommen: Mindestens 24 Menschen seien bei den Angriffen in der Provinz Idlib und den umliegenden Regionen getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Unter den Opfern waren demnach auch mehrere Kinder.

Am Sonntag wurden nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle in der Stadt Ariha fünf Menschen durch Angriffe der syrischen Luftwaffe getötet. Bei Attacken russischer Kampfjets wurden demnach zwei Zivilisten im Norden der Provinz Hama getötet. Zwei weitere zivile Opfer seien aus anderen Regionen im Nordwesten Syriens gemeldet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit, die sich auf ein Netz von Informanten in Syrien stützt. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.

Bereits am Samstag waren laut der Beobachtungsstelle bei Luftangriffen der syrischen und russischen Armee im Nordwesten des Landes 15 Zivilisten getötet worden, unter ihnen acht Kinder. Die meisten Opfer stammten aus Ariha. Die Stadt liegt in der Provinz Idlib, in der seit September eigentlich eine Waffenruhe gilt.

Doch die Truppen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad und ihre russischen Verbündeten hatten Ende April eine neue Offensive auf die Rebellengebiete in und rund um Idlib gestartet. Seit dem Beginn der Offensive wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle 750 Zivilisten getötet, unter ihnen 190 Kinder. Der UNO zufolge wurden außerdem mehr als 400.000 Menschen aus der Region vertrieben.

Idlib ist die letzte syrische Provinz unter Kontrolle der Aufständischen, sie wird von der Jihadistenallianz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) dominiert, die aus dem syrischen Al-Kaida-Ableger hervorgegangen ist.

Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat unterdessen einen Anschlag auf Regierungstruppen im Süden Syriens für sich reklamiert, bei dem am Samstag sechs Soldaten getötet wurden. Ein IS-Kämpfer habe bei einem Selbstmordanschlag in der Provinz Daraa erst Soldaten mit einem Maschinengewehr beschossen und dann eine Sprengstoffweste gezündet, erklärte die IS-Miliz am Samstagabend im Onlinedienst Telegram.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte sich ein Angreifer auf einem Motorrad an einem Militärkontrollposten in Daraa in die Luft gesprengt und dabei sechs Soldaten getötet sowie mehrere weitere Menschen verletzt. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete ebenfalls über einen Selbstmordanschlag, der sich demnach aber während eines „Armeeangriffs“ auf „Terroristen“ ereignete. Eine Opferzahl nannte Sana nicht.

Am Montag hatte der IS bereits einen Autobombenanschlag in einem Vorort der Hauptstadt Damaskus für sich reklamiert, bei dem ein Zivilist getötet worden war.

In der Provinz Daraa im Süden Syriens hatten im März 2011 die Proteste gegen Machthaber Bashar al-Assad begonnen. Nach monatelangen Gefechten gelang es der Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe aber im Juli 2018, die Provinz von den Rebellen und Jihadisten zurückzuerobern, die sie in den Jahren zuvor kontrolliert hatten.




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