Letztes Update am So, 28.07.2019 19:58

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Die doppelte Diva: La Anna ist La „Adriana“



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Wenn eine Diva Diva spielt: Anna Netrebko ist in Salzburg „Adriana Lecouvreur“. Die dramatische Versimo-Oper über das Schicksal einer barocken Schauspiel-Ikone von Francesco Cilea wird bei den Festspielen konzertant gegeben - und das heißt: in edelsteinbesetzten Roben. Am Eröffnungswochenende standen die Zeichen am Sonntagnachmittag auf Festspielluxus der alten Schule.

Klima-Aktivismus und schwer verständliches Musiktheater war gestern („Idomeneo“), heute sonnt man sich bei echtem Salzburger Schlechtwetter im Glanz der strahlendsten Stimme unserer Zeit. Netrebko im funkelnden Geschmeide blickt mit verhangenem Blick andächtig gen Horizont. Bis zum ersten Zwischenapplaus dauert es nur wenige Minuten - viele weitere werden folgen. Sie singt hinreißend.

Auch Adriana Lecouvreur, deren historisches Vorbild eine Pariser Schauspielerin der 1720er Jahre ist, wurde berühmt für die Noblesse und Natürlichkeit ihrer Darbietung. Bei Cilea - die Oper beruht auf einem Stück von Eugene Scribe und Ernest Legouve - sagt sie in ihrer ersten Arie über ihre Gabe als Künstlerin: „Ich bin das Echo des menschlichen Dramas.“ Das könnte tatsächlich auch auf Anna Netrebko gemünzt sein, die selbst im Galaambiente einer konzertanten Hochglanzveranstaltung das wahre menschliche Gefühlsdrama allein in ihrer einzigartigen Stimme farbenprächtig abzuspielen weiß.

Freilich: Noch lieber würde man sie wieder szenisch erleben. Lieber würde man sie in einem Reigen mit gleichrangigen Sängern und begleitet von einem mit Finesse agierenden Orchester hören. Marco Armiliato drängt das ohnedies mehr robust als elegant spielende Mozarteumorchester in Kirtagslaune vor- und aufwärts und die Sänger damit gerne aus ihrer Schönklangzone. Außer La Anna, die in der Schönklangzone wohnt.

Eine Balance der Stimmen rund um Netrebko wurde offenbar gar nicht angestrebt. Während Ehemann Yusif Eyvazov als treuloser und reumütiger Maurizo ihr immerhin in puncto Stabilität das Wasser reichen kann, spielt seine Gattin bezüglich Klangfarbe, Wärme und Strahlkraft in einer gänzlich anderen Liga. Anita Rachvelishvili als giftige Rivalin bietet vor allem Volumen pur. Sehr gut machten sich Nicola Alaimo als Michonnet und Mika Kares als Fürst.

Zweimal noch stirbt Anna als Adriana im Großen Festspielhaus - und selbst konzertant: keine stirbt schöner.




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