Letztes Update am So, 28.07.2019 23:14

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neun Tote bei Anschlag auf Wahlkampfbüro in Kabul



Wenige Stunden nach dem offiziellen Wahlkampfauftakt in Afghanistan haben Angreifer das Büro des Vizepräsidentschaftskandidaten Amrullah Saleh in der Hauptstadt Kabul attackiert. Bei dem Anschlag am Sonntagnachmittag wurden nach Angaben des afghanischen Gesundheitsministeriums mindestens neun Menschen getötet und rund zwei Dutzend weitere verletzt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Gegen 16.40 Uhr Ortszeit (14.10 Uhr MESZ) habe es zunächst eine Explosion in der Nähe des Büros von Salehs Green-Trend-Partei (AGT) gegeben, dann seien mehrere Angreifer in das Büro eingedrungen, teilte der Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, mit.

Die Attacke dauerte rund sechs Stunden. Sicherheitskräfte umstellten den Bereich um das Büro und versuchten, „die Angreifer so schnell wie möglich zu töten“, erklärte Rahimi weiter. Saleh sei bei dem Anschlag nicht verletzt worden. Nach Angaben des Innenministeriums waren schließlich alle Angreifer tot.

Der Zeuge Edshas Maliksada sagte der Nachrichtenagentur AFP, es habe sich um einen „direkten Anschlag gegen das Büro der AGT“ gehandelt. „Ich habe drei Explosionen und danach Schüsse gehört“, sagte er weiter. In den Online-Diensten kursierten Aufnahmen, auf denen eine dichte Rauchwolke zu sehen war.

Ex-Innenminister Saleh war früher Chef des afghanischen Geheimdienstes. In der für den 28. September anberaumten Präsidentschaftswahl tritt er als Vize für Präsident Ashraf Ghani an.

Der Anschlag auf Saleh passierte einen Tag, nachdem die Regierung in Kabul erklärt hatte, sie werde innerhalb von zwei Wochen direkte Friedensverhandlungen mit den radikalislamischen Taliban aufnehmen. Die Taliban dementierten dies am Sonntag. Innerafghanische Gespräche werde es erst nach einer Ankündigung über den Rückzug internationaler Streitkräfte aus dem Land geben, erklärte Sohail Shahin, der Sprecher des politischen Büros der Taliban, auf Twitter.

Erst am Donnerstag wurden bei drei Explosionen in Kabul mindestens elf Menschen getötet und fast 50 weitere verletzt. Zwei Explosionen hatten einen Bus mit Mitarbeitern des Bergbauministeriums zum Ziel. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich. Zu einer Autobombe, die wenig später detonierte, bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Ziel sei ein Konvoi der internationalen Streitkräfte gewesen.




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