Letztes Update am Mo, 29.07.2019 01:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zwei Männer in Höhle in Baden-Württemberg eingeschlossen



Nach einem starken Wasseranstieg in einer Höhle bei Reutlingen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg sind zwei Männer unter der Erde eingeschlossen. Ein Höhlenführer und ein Tourist seien während eines Unwetters von plötzlich ansteigendem Wasser in der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten überrascht worden, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagabend.

Ihnen sei „der Rückweg abgeschnitten“. Feuerwehr und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Zu den beiden Männern bestehe Kontakt, es gehe ihnen „den Umständen entsprechend gut“, sagte der Sprecher. Beide seien unverletzt, es bestehe keine Lebensgefahr. Sie würden bis zur Rettung, die am Montagmorgen beginnen solle, mit Lebensmitteln, Getränken und wärmender Kleidung wie Neoprenanzügen versorgt.

In der Früh solle es gegen 07.00 Uhr eine weitere Lagebesprechung geben. Die Falkensteiner Höhle befindet auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg.

Zwei Rettungstaucher seien am Abend zu dem Höhlen-Guide und seinem Kunden vorgedrungen, sagte Feuerwehrkommandant Harald Herrmann. Den beiden gehe es gut. Etwa 80 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Höhlenrettung waren nach der Alarmierung am frühen Sonntagabend zum Unglücksort bei Grabenstetten geeilt.

Ausgelöst wurde die Notlage durch den heftigen Regenfall in der Region. Wegen der starken Strömung könnten die beiden in Not geratenden Höhlengänger erst mit Tagesanbruch am Montag gerettet werden, sagte Herrmann. Über Sprechkontakte habe man sich vergewissern können, dass die Lage im Griff sei. Die Männer seien eingeschlossen in der „Reutlinger Halle“, einem der Hohlräume. Dieser liege höher als die eigentlichen Wassermassen, die weiter steigen würden. Die Männer seien aber versorgt und hätten Essen und Trinken erhalten. Ein kleines Team mit Rettern bleibe in der Nacht vor Ort.

Laut der „Stuttgarter Zeitung“ sind beide Männer um die 30 Jahre alt. Sie seien gegen 17.00 Uhr in die Höhle eingestiegen. Matthias Leyk, der Zweite Vorsitzende der Höhlenrettung Baden-Württemberg, sagte der Zeitung: „Wir hoffen, dass die Sache gut ausgeht. Wir hatten auch in der Falkensteiner Höhle schon mehrere Hochwassereinschlüsse in den vergangenen Jahren. Das Besondere ist, dass es jetzt außerordentlich hohe Niederschläge in kurzer Zeit gegeben hat. Das heißt: Es kommt momentan sehr viel Wasser in die Höhle.“

Die Falkensteiner Höhle liegt auf der Schwäbischen Alb zwischen Grabenstetten und Bad Urach und ist ein beliebtes Touristenziel. Auf der Tourismus-Webseite der Stadt Bad Urach heißt es, sie sei eine „aktive Wasserhöhle“, aus der der Fluss Elsach ins Freie entspringe. Und: Touren in die Höhle seien nicht ungefährlich. „Bei erwartetem Starkregen und Gewittern sind keine tiefen Touren in die Falkensteiner Höhle möglich. Zu empfehlen ist eine Tour (...) mit einem erfahrenen Höhlen Guide“, heißt es auf der Webseite weiter.

Ein Anbieter von Höhlentouren schreibt auf seiner Internetseite, die Falkensteiner Höhle sei die einzige wasserführende Höhle Deutschlands, in der geführte Touren möglich sind. Sie zähle zu den sogenannten wilden Höhlen. „Es gibt also keine elektrische Beleuchtung wie in den Schauhöhlen und auch keine geebneten Wege.“

Der Notfall in der Falkensteiner Höhle weckt Erinnerungen an das Höhlendrama mit einer Jugend-Fußballmannschaft in Thailand vor rund einem Jahr. Zwölf Burschen im Alter von 11 bis 17 Jahren sowie ihr 25 Jahre alter Trainer waren im Juni 2018 bei einem Ausflug in eine Höhle im Norden des Landes vom steigenden Wasserspiegel überrascht und eingeschlossen worden. Erst nach 17 Tagen kamen die letzten frei. Rund um die Welt fieberten Menschen bei der spektakulären Rettungsaktion mit.

Vor fünf Jahren war in der Riesending-Schachthöhle in den Berchtesgadener Alpen der Höhlenforscher Johann Westhauser gut 274 Stunden in 1000 Metern Tiefe eingeschlossen. Tagelang kämpften Helfer rund um die Uhr bis zur Erschöpfung, um den Schwerverletzten aus der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands zu bergen. Der 52-jährige Baden-Württemberger war bei einem Steinschlag in der Höhle am Kopf schwer verletzt worden.




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