Letztes Update am Mo, 29.07.2019 17:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hochwassersituation in Salzburg entspannt sich



In Salzburg hat der starke Regen in der Nacht auf Montag und Montagfrüh für zahlreiche Hochwassereinsätze gesorgt. Während die meisten betroffenen Gebiete glimpflich davon gekommen sind, musste in Rußbach (Tennengau) zeitweise Zivilschutzalarm ausgelöst werden. Der Bach im Ortszentrum war bis zu einem Meter über die Ufer getreten, die wichtigste Straße in die Gemeinde wurde zum Teil weggespült.

Die Situation in Rußbach, wo einzelne Straßenzüge bis zu einem Meter unter Wasser standen, hat sich allerdings bereits am Vormittag wieder entschärft. „Der Bach ist wieder in seinem ursprünglichen Lauf“, sagte Ortsfeuerwehrkommandant Bernd Schnitzhofer im Telefonat mit der APA. Die Aufräumarbeiten seien voll im Gange. „Wir sind momentan dabei, die Schäden links und rechts des Bachbetts aufzuarbeiten und Keller auszupumpen.“ Eine Arbeit, die bis zum Abend weitgehend abgeschlossen sein sollte.

„An der Gemeindegrenze hat der Rußbach jedoch eine ganze Brücke mitgerissen, da klafft ein riesiges Loch in der Straße“, sagte Schnitzhofer. Auch an anderen Stellen sei die Pass-Gschütt-Straße (B166) nach Abtenau vom Hochwasser schwer beschädigt worden. Die Straße dürfte damit länger gesperrt sein. Rußbach an der Landesgrenze zu Oberösterreich wird damit von Salzburger Seite aus nicht oder nur erschwert erreichbar sein.

Der Zivilschutzalarm wurde schließlich mit 11.15 Uhr wieder aufgehoben. Meldungen über Verletzte oder Vermisste lagen zunächst nicht vor. Seit Sonntagabend sind im Nordstau der Alpen 80 bis 100 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Die sinnflutartigen Niederschläge habe zu überfluteten Kellern, Garagen sowie kleineren Rutschungen und Felsstürzen geführt. Auch zahlreiche verklauste Bachdurchläufe und Gräben mussten von Bäumen, Geäst und Schutt befreit werden.

Wie die Feuerwehr berichtete, waren - gemessen nach Einsatzzahlen - vor allem das Lammertal im Tennengau und der Bereich um Strobl im Flachgau betroffen. Wie das Landesfeuerwehrkommando am Vormittag meldete, waren seit Beginn der Einsätze rund 640 Feuerwehrmänner von 34 Feuerwehren bei 80 Ereignissen gefordert.

Durch den intensiven Regen legte alleine der Wasserstand der Salzach in der Stadt Salzburg in den sechs Stunden nach Mitternacht um drei Meter zu. Die Radweg-Unterführungen unter den Brücken wurden gesperrt, sicherheitshalber errichtete die Berufsfeuerwehr auch den mobilen Hochwasser-Schutz. Der Fluss trat aber nicht über die Ufer, mittlerweile sind die Pegelstände im ganzen Land wieder im Sinken.

Auch in Mittersill (Pinzgau) wurde der Hochwasserschutz aufgebaut. Die neuen Hubbrücke - die eigens für den Fall von Hochwasser errichtet wurde, um gefährliche Verklausungen zu vermeiden - musste heute aber nicht aktiviert werden. Allerdings wurde wegen der erhöhten Pegelstände ein Abschnitt der Pinzgauer Lokalbahn still gelegt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Nach einem Erdrutsch weiter nicht passierbar war die Postalmstraße zwischen Abtenau und Strobl. Entwarnung gab es hingegen bei einem weiteren „Nadelöhr“: Eine in der Nacht abgegangene Schlammlawine im „Kleinen Deutschen Eck“ konnte bereits am Vormittag wieder weggeräumt werden.

Die Bundesregierung will alles tun, dass für Betroffene nach den Wetterschäden schnell entsprechende Mittel aus dem Katastrophenfonds zur Verfügung gestellt werden. Der dafür zuständige Finanzminister, Eduard Müller, meinte: „Das Wichtigste ist jetzt, dass die Infrastruktur rasch wiederaufgebaut werden kann und die privaten Haushalte von den Schlammmassen befreit werden können.“

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein bedankte sich für den Einsatz aller freiwilligen Helfer und Einsatzkräfte: „Der Zusammenhalt in der Zivilgesellschaft ist vorbildlich. Der Einsatz der Hilfskräfte ist bewundernswert und ringt mir höchsten Respekt ab. Ich danke allen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen und Menschen in Not helfen. Als Bundesregierung ist es unser größtes Anliegen, alles Notwendige zu tun, um möglichst rasch und unbürokratisch Hilfe leisten zu können“, sagte die Kanzlerin.




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