Letztes Update am Di, 30.07.2019 12:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bub vor Zug gestoßen - Haft wegen Mordes beantragt



Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat im Fall eines vor einen Zug gestoßenen Buben Haftbefehl wegen Mordes beantragt. Ein 40-jähriger Eritreer werde wegen Mordes und zweifachen Mordversuchs noch am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt, sagte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen in Frankfurt. Der Mann sei verheiratet und habe selbst drei Kinder. Der Beschuldigte schweige bisher zu der Tat.

Täter und Opfer hätten sich nicht gekannt, so die Staatsanwaltschaft. Ein Test habe zudem ergeben, dass der Mann keinen Alkohol getrunken habe. Es gebe auch keine Hinweise auf Drogen und keine Erkenntnisse über eine Verbindung zu einer Tat im hessischen Wächtersbach. Dort hatte ein Deutscher offenbar aus rassistischen Motiven einen Eritreer mit einem Bauchschuss schwer verletzt und sich anschließend selbst getötet.

Dem Beschuldigten mit Wohnsitz in der Schweiz wird vorgeworfen, am Montag erst die Mutter und dann deren achtjährigen Sohn im Bahnhof vor einen einfahrenden ICE gestoßen zu haben. Während die Mutter sich noch retten konnte, wurde das Kind überrollt und getötet.

Zudem habe der Mann versucht, eine 78-Jährige auf die Gleise zu stoßen. Die Frau habe sich jedoch wehren können. Sie wurde laut Staatsanwaltschaft dabei an der Schulter verletzt und erlitt einen Schock. Der mutmaßliche Täter flüchtete und wurde von Passanten gestellt. Darunter sei auch ein Polizist gewesen, der zu der Zeit nicht im Dienst gewesen sei, sagte die Oberstaatsanwältin.

Unklar sei noch, warum der Mann vor einigen Tagen aus der Schweiz nach Deutschland eingereist sei und welches Aufenthaltsrecht er habe. „Er hat angegeben, er sei vor wenigen Tagen von Basel mit dem Zug nach Frankfurt gefahren“, sagte die Oberstaatsanwältin. In Deutschland sei er nicht polizeibekannt gewesen.

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) will sich „angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit“ am Dienstag in Berlin mit den Chefs der Sicherheitsbehörden beraten. Die Ergebnisse wird er am Nachmittag auf einer Pressekonferenz vorstellen. Bei dem Treffen soll es nach dpa-Informationen neben der Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof auch um Angriffe und Drohungen gegen Vertreter der Linkspartei gehen, um Bombendrohungen gegen Moscheen sowie den rassistisch motivierten Angriff auf einen Eritreer im hessischen Wächtersbach.




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