Letztes Update am Di, 30.07.2019 12:48

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UNO fordert nach Tötung von Schülern im Sudan Untersuchung



Der Tod von fünf Schülern bei einer Demonstration im Sudan hat landesweit für Entsetzen gesorgt. Der Vorsitzende des sudanesischen Militärrats, General Abdel Fattah al-Burhan, verurteilte die Tötung der Jugendlichen am Dienstag als „inakzeptables Verbrechen“. Die UNO forderte eine Untersuchung.

Vertreter der sudanesischen Protestbewegung riefen dazu auf, die für Dienstag anberaumten abschließenden Verhandlungen mit dem Militärrat über eine Übergangsregierung abzusagen.

Bei Protesten in der zentralsudanesischen Stadt Al-Obeid waren am Montag nach UNO-Angaben fünf Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren erschossen worden. Die Schüler hatten nach Angaben von Bewohnern gegen Kürzungen bei der Versorgung Al-Obeids mit Brot und Benzin demonstriert. Vertretern der Protestbewegung zufolge wurden mehr als 60 Demonstranten verletzt.

„Friedliche Zivilisten zu töten ist ein inakzeptables Verbrechen, dessen Verantwortliche sofort zur Rechenschaft gezogen werden müssen“, sagte Burhan nach Angaben des Staatsfernsehens. Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF rief die Behörden im Sudan dazu auf, den Vorfall zu untersuchen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. „Kein Kind sollte in seiner Schuluniform beerdigt werden“, erklärte UNICEF.

Der sudanesische Berufsverband, der einen Teil der Proteste anführt, rief zu landesweiten Protesten gegen das „Massaker“ auf. Die Protestbewegung machte die gefürchtete paramilitärische Einheit RSF des Generals Mohammed Hamdan Dagalo für den Tod der Jugendlichen verantwortlich.

Der prominente Protestanführer Siddig Youssef rief dazu auf, die für Dienstag angesetzten Gespräche zwischen Vertretern der Protestbewegung und dem Militärrat abzusagen. „Wir können nicht am Verhandlungstisch mit denen sitzen, die die Tötung von Revolutionären zulassen“, erklärte Youssef.

Die Protestbewegung und die regierenden Generäle hatten sich Mitte Juli auf eine Teilung der Macht geeinigt. Vorgesehen ist die Bildung einer Übergangsregierung, die drei Jahre und drei Monate im Amt bleiben soll. In einer von beiden Seiten unterzeichneten „politischen Erklärung“ wird die Übergangsregierung als „souveräner Rat“ bezeichnet. Das Gremium soll aus sechs Zivilisten und fünf Militärs bestehen. Am Dienstag wollten Vertreter der Protestbewegung und der Militärrat über die verbliebenen offenen Fragen verhandeln.

Im April war der langjährige Staatschef Omar al-Bashir gestürzt worden. Ihm soll wegen verschiedener Verbrechen der Prozess gemacht werden. Nach Angaben oppositionsnaher Ärzte sind seit dem Beginn der Proteste im Sudan im Dezember mehr als 250 Menschen getötet worden.




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