Letztes Update am Di, 30.07.2019 13:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Regierungskräfte töten immer mehr Zivilisten in Afghanistan



Die Luftangriffe und Bodeneinsätze der afghanischen Regierungstruppen und ihrer internationalen Verbündeten fordern immer mehr zivile Opfer. Die Zahl der bei Einsätzen regierungstreuer Truppen verwundeten und getöteten Zivilisten stieg im ersten Halbjahr 2019 um 31 Prozent auf 1.397 Opfer.

Das geht aus einem Bericht der UNO-Mission in Afghanistan (UNAMA) vom Dienstag hervor. Die Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als die Gesamtzahl der verletzten oder getöteten Zivilisten im gleichen Zeitraum um 27 Prozent auf 3.812 sank.

Zählt man nur die getöteten Zivilisten, sind die regierungstreuen Truppen das zweite Quartal hintereinander für mehr Opfer verantwortlich als die Aufständischen: Die afghanischen Sicherheitskräfte, ihre internationalen Unterstützer wie die USA sowie regierungstreue Milizen töteten in den ersten sechs Monaten 717 unbeteiligte Bürger, die radikalislamischen Taliban, die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und andere regierungsfeindliche Kräfte 531.

Rund die Hälfte der von regierungstreuen Truppen getöteten Zivilisten starb durch Luftangriffe. Die zivilen Opfer durch Luftangriffe sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt um 39 Prozent gestiegen. Den absoluten Großteil der Opfer rechnete UNAMA den US-Luftstreitkräften zu, nur einen geringen Teil der noch im Aufbau befindlichen afghanischen Luftwaffe.

Die verstärkten US-Luftangriffe gelten als Teil der US-Strategie, Taliban-Kommandeure anzugreifen und die Bedingungen für eine politische Lösung des Konflikts zu schaffen. Die USA haben laut Statistiken der US-Luftwaffe seit 2017 die Zahl der Abwürfe von Bomben und anderer Munition über Afghanistan fast verdoppelt.

Seit Juli des Vorjahres spricht Washington direkt mit Taliban-Vertretern über eine politische Beilegung des Konflikts. Laut US-Außenminister Mike Pompeo will Präsident Donald Trump, dass die Truppen noch vor der US-Präsidentenwahl im November 2020 reduziert werden.




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