Letztes Update am Di, 30.07.2019 19:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ofner gewann in Kitzbühel Österreicher-Duell mit Miedler



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Sebastian Ofner hat zwei Jahre nach seinem sensationellen Lauf ins Halbfinale von Kitzbühel in der Gamsstadt auf die Siegerstraße zurückgefunden. Der 23-jährige Steirer besiegte am Dienstag den gleich alten Niederösterreicher Lucas Miedler nach 102 Minuten mit 7:6(1),7:6(5). Nun misst er sich am Mittwoch (nicht vor 19.30 Uhr/live ServusTV) mit Topstar Dominic Thiem.

Für Ofner war es der erste Sieg auf ATP-Tour-Level in diesem Jahr bzw. sogar der erste seit Februar 2018 in Sao Paulo. Seine bisher größten Erfolge feierte der Schützling von Wolfgang Thiem und des neuerdings als Touring-Coach engagierten Alexander Peya 2017 mit einer dritten Wimbledon-Runde als Qualifikant und dem Semifinale in Kitzbühel. Qualifikant Miedler muss damit weiter auf seinen ersten Sieg auf der ATP-Tour warten.

„Es ist nie einfach, gegen einen guten Freund zu spielen, in Österreich gegen einen Österreicher“, gestand Ofner. „Es ist verdient, das zweimal ein Tiebreak zustandegekommen ist, weil es war echt auf Augenhöhe und ich hatte das bessere Ende in beiden Tiebreaks. Am Ende war es echt ein gutes Match.“ Ein Match, das für Ofner - freilich abgesprochen mit der ATP und den Spielern - auch ein Novum brachte: Ofner wurde von ServusTV-Expertin Barbara Schett nach dem ersten Satz kurz interviewt.

Prompt gab der Steirer als erster Spieler seinen Aufschlag zum 0:1 ab. Dies sei aber kein Grund für den Serviceverlust gewesen. „Nein, das war ganz schnell und dann habe ich auch noch ein bisserl Zeit gehabt, bis es wieder losgegangen ist, kein Problem.“

Ofner gelang das Rebreak zum 4:4, ehe er sich dann doch noch in zwei Sets durchsetzte. Was er dazu sagt, dass er fast 18 Monate auf einen Sieg auf der ATP-Tour warten musste? „Man unterschätzt, wie dicht das heutzutage ist. Auf der Challengertour spielen genauso gute Spieler wie auf der ATP-Tour“, sagte der von seinen Fans und Freunden „Ofi“ genannte Steirer.

Dass er nun den derzeit langzeitverletzten Alexander Peya ab diesem Turnier neben Hauptcoach Wolfgang Thiem als Touring-Coach verpflichtet hat, hat er sich von Dennis Novak abgeschaut. „Ich habe gesehen, dass das mit Dennis und Julian (Knowle) gut funktioniert und gedacht, ich probiere das auch.“ Bisher funktioniere das gut, die Zusammenarbeit soll 15 bis 20 Wochen pro Jahr dauern. „Es kommt darauf an, wann er selbst wieder spielen kann, aber dieses Jahr einmal definitiv bis Ende der Saison.“

Im nächsten ÖTV-Duell am Mittwoch ist Ofner freilich klarer Außenseiter, das weiß auch der 167. im ATP-Ranking, aber: „Ich freue mich riesig, gegen Dominic zu Hause in Österreich zu spielen. Natürlich gehe ich mit der Einstellung rein, dass ich das gewinnen kann, sonst brauche ich nicht spielen. Für mich ist es sehr interessant, weil er einer der besten Sandplatzspieler der Welt ist.“

Für Lucas Miedler heißt es hingegen wieder zurück auf die Challengertour. „Natürlich bin ich enttäuscht. Wir haben beide bis auf jeder ein Game sehr gut serviert, bei mir war es vielleicht spielerisch nicht das Beste von der Grundlinie. Zwei Tiebreaks ist natürlich sehr knapp und sehr bitter für mich“, sagte der Tullner.

Der Schlüssel zur Niederlage sei das „hergeschenkte“ Aufschlagspiel zum 4:4 im zweiten Satz gewesen, als er schon 4:2 geführt hatte. Miedler, der sich im Gegensatz zu Wildcard-Spieler Ofner für das Turnier qualifiziert hatte, sah aber einen Aufwärtstrend. „Spielerisch geht auf jeden Fall viel weiter, es schlägt sich leider nicht ganz in den Ergebnissen nieder. Ich habe nicht nur heute relativ enge Partien schon verloren, aber die Richtung stimmt. Natürlich gilt es jetzt weiterzuarbeiten.“

Für ihn geht es beim Challenger in Augsburg, danach in Portoroz weiter. Der Schützling von Werner Eschauer hat nach einer doppelten Regeländerung im Bereich ATP/ITF Nachteile für sich geortet. „Da bin ich von 200 auf 300 zurückgespült worden, ohne dass ich was dafür kann. Ich hätte mir gewünscht, dass es Richtung 150 und nicht 250 geht wie es momentan ist.“ Sein Ziel für den Rest von 2019? „Wenn ich das Jahr noch unter 200 abschließen könnte, wäre ich relativ zufrieden.“

Der Deutsche Philipp Kohlschreiber legte unterdessen seine Negativserie vorerst ab. Der zweifache Kitzbühel-Sieger ließ dem Franzosen Richard Gasquet in nur 66 Minuten beim 6:3,6:2 keine Chance. Nach vier Erstrunden-Niederlagen en suite eine Wohltat für den 35-jährigen Deutschen.

„Ich bin natürlich sehr froh. Genau in dieser Situation braucht man Erfolge im Turnier“, freute sich Kohlschreiber. „Ich weiß, dass ich hier gut spiele, dass es mir taugt. Das Turnier kommt gerade richtig für mich.“

Die Niederlagen-Serie liegt auch ein wenig in körperlichen Problemen begründet. „Ich habe da nicht viel darüber geredet, aber ich habe seit Monte Carlo mit einer Verletzung zu kämpfen“, verriet Kohlschreiber, dem Rückenprobleme zu schaffen machen.

Der im ATP-Ranking auf Platz 73 zurückgefallene Wahl-Kitzbüheler trifft nun auf den Spanier Pablo Andujar („Gegen ihn ist es immer schwierig, da muss man sich sehr gut bewegen“) und wäre ein möglicher Viertelfinal-Gegner von Topstar Dominic Thiem.

Das topgesetzte Österreicher-Duo Oliver Marach und Jürgen Melzer setzte sich indes in der ersten Runde gegen die Argentinier Leonardo Mayer/Andres Molteni mit 7:6(9),2:6,10:3 durchgesetzt.

„Wir haben im ersten Satz gefühlte 100 Breakbälle gehabt, die wir nicht genutzt haben und dann trotzdem noch gewonnen. Im zweiten Satz hatten wir am Anfang ein bisserl einen Hänger und da sieht man, wie schnell es geht, wenn man ein bisserl nachlässt“, bezog sich Jürgen Melzer auf den verlorenen Satz. Im Champions-Tiebreak habe man dann aber souverän gespielt.

„Es hilft natürlich, wenn man mit so viel Selbstvertrauen kommt von den letzten Wochen.“ Allerdings, das gestanden beide Spieler, sei man nach den Anstrengungen der vergangenen Wochen am Limit. „Einmal Finale und ein Sieg und wir haben nebenbei sehr viel trainiert, weil wir sehr viel gearbeitet haben an unserem System mit dem Thomas Strengberger, der uns sehr geholfen hat“, erzählte Marach. „Man sieht was passieren kann, weil vor drei, vier Wochen haben wir noch nicht einmal ansatzweise so gespielt wie jetzt.“ Marach freute sich auch über die Performance seines Partners. „Ich bin voll zufrieden, Jürgen hat letzte Woche in Hamburg unglaublich gespielt.“

Herausgefunden hat man inzwischen, dass Linkshänder Melzer auf der rechten Seite spielt. „Es ist für uns ein Vorteil, wenn ich rechts spiele. Und wir haben noch Potenzial nach oben, da ist noch viel drinnen und das bereitet mir eine Freude.“

Platz 22 im Race haben die beiden nach so kurzer Zeit schon, ans Masters in London will Melzer noch nicht denken. „Da muss noch viel passieren, da muss man die Kirche im Dorf lassen. Klar, wenn du bei einem 1000er durchschießt, sag niemals nie.“ Vorwiegend denkt Melzer aber an 2020. „Ich glaube, dass wir uns heuer in eine gute Position für nächstes Jahr bringen müssen. Dann ist das Ziel 2020 natürlich das Masters.“

Marach sieht es ähnlich und beide haben freilich auch einen Trip zu den Olympischen Spielen in Tokio im Visier. „Ein rein-österreichisches Doppel ist super fürs Land und für Olympia sicherlich auch eine sehr gute Option. Wenn wir so weiterspielen, sind wir sicher ein sehr gefährliches Doppelteam.“




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