Letztes Update am Di, 30.07.2019 21:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mordsmäßiger Festspiel-Erfolg für Simon Stones „Medee“



Die Salzburger Festspiele 2019 haben ihren ersten großen Premierenerfolg. Nach den durchwachsen aufgenommenen „Idomeneo“- und „Jugend ohne Gott“-Inszenierungen der Vortage wurde Simon Stones Deutung von Luigi Cherubinis „Medee“ Dienstagabend zum fulminanten, umjubelten Festivalknaller. Dabei stehen die Hauptverantwortlichen fest: Regisseur Stone und Elena Stikhina in der mörderischen Titelpartie.

Die 32-jährige Russin wurde für ihre Rollendebüt als Einspringerin für die schwangere Sonya Yoncheva zu Recht vom Publikum im Großen Festspielhaus gefeiert. Sie liefert eine differenzierte Interpretation der Mörderin aus Verzweiflung und bewältigt neben den stimmlichen Herausforderungen der 1797 uraufgeführten Oper auch die schauspielerischen Ansprüche, die sich aus der Bearbeitung des antiken Stoffes durch Simon Stone ergeben.

Der 34-Jährige verlegt das mythische Geschehen in die Istzeit, macht die Zauberin Medea zur verlassenen Ehefrau, die ins Exil gezwungen wird und aus Verzweiflung ihre Kinder tötet. Eine ereignispralle, bildgewaltige Inszenierung, die den Wesensgehalt des Stücks auf zutiefst stimmige, vollkommen ungezwungene Weise ins Heute transponiert. Damit kann der australisch-schweizerische Theatermacher nach seinem umjubelten „Lear“ von Aribert Reimann 2017 ein weiteres Mal das Publikum der Salzburger Festspiele für sich einnehmen.




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