Letztes Update am Mi, 31.07.2019 05:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unterwasser-Rugby-WM: Wetteifer und amikale Stimmung in Graz



Selten elegant, aber sehr oft effektiv - Unterwasserrugby ist nichts für kontaktscheue Landratten. Davon kann man sich bis Sonntag noch ein eigenes Bild machen und zwar bei den Weltmeisterschaften der Frauen und Herren in der Grazer Auster.

Auf den ersten Blick ist der Sport ein großer Flossensalat, ein Gewimmel im Wasser, von außen ist kaum eine Taktik zu erkennen. Man muss als Laie schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass es mehr als ein großes Durcheinander ist: einstudierte Spielzüge und ein langer Atem gehören bei den Profis dazu. Die noch junge Sportart fristet derweil aber noch ein Schattendasein im Lichte von Schwimmbewerben, Turmspringen und anderen olympischen Disziplinen. An den - offen gestanden - wenig sexy anmutenden Trikots und den nicht immer so athletischen Körpern liegt es aber wohl nicht.

Das Spiel könnte mit wenigen Worten beschrieben werden: ein Fischschwarm, der um die Beute kämpft. Sechs Spieler pro Mannschaft sind im Wasser und schwimmen einem mit Salzwasser gefüllten Ball nach, der unter Wasser zugespielt wird. Ziel ist es, den Ball in den gegnerischen Korb am Beckenboden zu befördern. Greifen, umschließen und ein wenig raufen sind erlaubt, allerdings im Rahmen. Die Maske des Gegenspielers ist etwa Tabuzone. Das meiste spielt sich unter Wasser ab. Damit der Zuschauer auch davon etwas mitbekommt, sind Kameras im Wasser installiert, die das Geschehen auf eine Leinwand übertragen.

Die wohl kuriosesten Szenen spielen sich allerdings am Beckenrand ab, denn eine zweite Mannschaft sitzt praktisch als Ersatz heraußen und die Spieler warten auf die fliegenden Wechsel, die alle paar Minuten passieren. Die häufigen Austausche sind dem kräfte- und vor allem luftzehrenden Spielmanövern geschuldet. Meist hieven sich die Spieler völlig erschöpft aus dem Wasser auf den Beckenrand und rollen sich um Luft ringend weg. Ein Anblick, der an gestrandete Robben erinnert, doch es ist der Beleg für den absoluten Einsatz der Sportler.

Das letzte Gruppenspiel von Österreich gegen die Übermacht Schweden brachte eine gut gefüllte Tribüne mit sich. Waren es davor rund 30 Zuschauer, so jubelten den Skandinaviern und der Heimmannschaft immerhin rund 100 Menschen zu. Eine überschaubare Menge, die Sportler könnten sie glatt alle persönlich kennen. Doch Lärm machen können in einem Schwimmbad auch wenige Leute - und das taten sie. „Let‘s go Sweden“ und „Immer wieder Österreich“ wechselten sich ab, Fahnen wurden geschwenkt. Am Ende jubelten aber fast nur die Schweden, denn sie gewannen 16:0. Ein abgewehrter Penalty ließ aber auch bei den österreichischen Fans Freude aufkommen.

Am Ende rollten sich die geschlagenen Österreicher aus dem Becken, lagen kaputt am Boden und krabbelten mit ihren Flossen teils auf allen Vieren dahin. Die Luft war wahrlich raus, aber keiner ließ den Kopf hängen. Nachdem das Horn zum Schluss ertönte, klatschten sich die nassen Kontrahenten freundschaftlich ab.

Um das große Geld geht es bei Unterwasserrugby nicht. Es ist ein amikaler Sport, wenig anmutig, aber mit schnell erkennbarer Freude am Wettkampf. Gefeiert wird zusammen: So durfte sich ein schwedisches Teammitglied - samt Krönchen am Kopf und ohne Starallüren - nach dem Match über ein Geburtstagsständchen freuen, bei dem auch gleich die österreichischen Fans mit einstimmten.




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