Letztes Update am Mi, 31.07.2019 07:31

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Warschauer Aufstand: Vor 75 Jahren starben 200.000 Menschen



Der 1. August 1944 ist ein zentrales Datum in der Geschichte Polens: An jenem Tag begann der Warschauer Aufstand gegen die NS-Besatzer. Die Rebellion vor 75 Jahren wurde ebenso brutal niedergeschlagen wie der Aufstand im Warschauer Ghetto im Jahr zuvor. Nach 63 Tagen kapitulierten die Widerstandskämpfer.

Der Aufstand wurde von der im Untergrund kämpfenden Polnischen Heimatarmee (AK) angeführt. Gegen die militärische Übermacht der deutschen Truppen konnte sie aber wenig ausrichten. Nach zwei Monaten mussten die Widerstandskämpfer ihr Ziel aufgeben, Warschau vor dem Einmarsch der vorrückenden Roten Armee zu befreien. Die sowjetischen Truppen griffen nicht in die Kämpfe ein, sondern marschierten erst am 17. Jänner 1945 in das Zentrum von Warschau ein.

Allein in den ersten Tagen des Aufstands töteten SS-Einheiten im Stadtteil Wola Zehntausende Zivilisten. Das Massaker von Wola gilt als eines der größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt wurden während des Warschauer Aufstands knapp 200.000 Widerstandskämpfer und Zivilisten getötet.

Am 2. Oktober 1944 gaben sich die Aufständischen schließlich geschlagen. Die deutschen Truppen machten Warschau anschließend weitgehend dem Erdboden gleich. Rund eine halbe Million obdachlos gewordene Bürger mussten fliehen. Zehntausende Menschen wurden in Konzentrationslager deportiert.

Polnische Historiker warfen Moskau später vor, tatenlos zugesehen zu haben, wie die Nazis den polnischen Widerstand niederschlugen. Zu Zeiten des Kommunismus wurde das Gedenken an den Warschauer Aufstand in Polen unterdrückt. Das änderte sich erst nach dem Sieg der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc über die Kommunisten bei der Parlamentswahl 1989.

Heute ist der Warschauer Aufstand ein Symbol für den Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit Polens. Am 1. August finden alljährlich Gedenkfeiern statt. Seit 2004 erinnert ein Museum im Stadtteil Wola an die Opfer der Rebellion. Dort sind auch Berichte von Überlebenden zu hören. Am Donnerstag legt der deutsche Außenminister Heiko Maas bei einem Besuch in Warschau am Mahnmal für Opfer des Massakers von Wola einen Kranz nieder.




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