Letztes Update am Mi, 31.07.2019 13:50

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gefundener Kadaver in Tirol wahrscheinlich ein Wolf



Bei einem am Dienstag in Sellrain in Tirol (Bezirk Innsbruck Land) von einem Schwammerlsucher gefundenen, stark verwesten Kadaver handelt es sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ um einen Wolf. Dies teilten die Verantwortlichen von Land und Polizei bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Innsbruck mit. Endgültige Gewissheit solle eine DNA-Untersuchung bringen.

Deren Ergebnis werde im Laufe der kommenden Woche feststehen, erklärte Martin Janovsky, Beauftragter des Landes für große Beutegreifer. Die entnommenen Proben würden per Medizintransport nach Wien geschickt und dort untersucht. Dabei werde auch ein Abgleich mit den Proben der zuletzt in der Gegend gerissenen Schafen durchgeführt. Dadurch hoffe man Gewissheit zu erlangen, dass eine „Verbindung“ bestehe und der Wolf für den Tod der Schafe verantwortlich ist, so Janovsky. Der Fund war bereits am Dienstag an die AGES, die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, übergeben worden.

Indes fehlte vom Täter vorerst jede Spur. Dem stark verwesten Kadaver war der Kopf abgetrennt worden. Bis dato gebe es aber „keine Hinweise auf verwendete Waffen“ oder Projektile, erklärte der Innsbrucker Bezirkspolizeikommandant Gerhard Niederwieser. Die Tatortarbeit sei aber noch nicht abgeschlossen.

Inzwischen nahmen die Ermittler auch Kontakt mit der Staatsanwaltschaft auf. Schließlich stünden Delikte wie Eingriff in fremdes Jagdrecht, Tötung eines besonders geschützten Tieres, Tierquälerei sowie diverse Verwaltungsstraftaten im Raum. Man werde jedenfalls die Ermittlungsergebnisse sichern und - bei hundertprozentiger Sicherheit, dass es sich um einen Wolf handelt - dann der Strafverfolgungsbehörde umfassend Bericht erstatten, kündigte Klaus Wallnöfer, Vorstand der Abteilung für Landwirtschaftliches Schulwesen, Jagd und Fischerei des Landes Tirol, an.

Bei dem gefundenen Kadaver handelt es sich laut Bärenbeauftragtem Janovsky ersten Erkenntnissen zufolge übrigens um ein 32,5 Kilo schweres Tier - ohne Kopf. Wie lange der Kadaver schon dort gelegen war, blieb vorerst unklar.

Die Naturschutzorganisation WWF Österreich befürchtet einen „abscheulichen Akt der Selbstjustiz“. Wenn „Wilderer in Wildwest-Manier“ den europaweit streng geschützten Wolf ausrotten wollen, sei das kein Kavaliersdelikt. Es handle sich um einen kriminellen Straftatbestand, hieß es in einer Aussendung. „Wir hoffen daher, dass die Polizei den Täter schnell ausforschen kann“, erklärte Christian Pichler, Wolfs-Experte des WWF.

Zuletzt hatte es in Tirol - und unter anderem im Sellraintal - mehrmals Aufregung um offenbar von Wolf und Bär gerissene Schafe gegeben. Letzte Woche war bekannt geworden, dass für vier Mitte Juli im Sellrain- und Inntal gerissene Schafe ein Wolf verantwortlich war. Ein Bär konnte dagegen bei gerissenen Schafen im Pitztal und bei einem Rotwildkadaver im Außerfern nachgewiesen werden. Noch ausständig sind die Ergebnisse der DNA-Proben jener Schafe, die auf der Inzinger und Flaurlinger Alm tot gefunden wurden. Nicht mehr untersuchen könne man kürzlich im Pitztal entdeckten Schafe, da sie bereits stark verwest waren.

Zudem brach erneut eine Debatte um Abschussmöglichkeiten los. Die Bezirkslandwirtschaftskammer brachte einen Antrag auf Entnahme - also Abschuss - von Wolf und Bär bei der Bezirkshauptmannschaft ein. Dieser wurde aber bereits abgelehnt.




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