Letztes Update am Mi, 31.07.2019 14:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hitlergruß vor Polizisten: Bedingte Haft für Wiederbetätiger



Wegen wiederholter nationalsozialistischer Wiederbetätigung ist ein 54-jähriger Mann am Mittwoch von einem Wiener Schwurgericht zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Als er am 18. September 2018 von zwei Polizisten angehalten wurde, weil er mit seinem Motorrad mehrere Kreuzungen bei Rot überfahren hatte, hatte er mehrfach den rechten Arm zum Hitlergruß gehoben.

Zuvor hatte er die Beamten provokant gefragt, warum sie sich um ihn und nicht um „die Scheißmoslems“ kümmern würden. „Dann hat er sich plötzlich stramm hingestellt wie ein Soldat und die rechte Hand gehoben“, gab ein Polizist als Zeuge zu Protokoll. Er habe den Mann abgemahnt und aufgefordert, die Geste zu unterlassen, worauf dieser sie wiederholt und grinsend gemeint hätte: „Ich sag eh nix!“ Erst als ihm die Festnahme angedroht wurde, habe sich der Angeklagte beruhigt.

Es war nicht zum ersten Mal, dass der Angestellte in diese Richtung auffällig geworden war. Am 1. Mai 2018 hatte er die Dienste einer Prostituierten in Anspruch genommen. Plötzlich begann er nackt vor der Frau zu tanzen, wobei er den rechten Arm zum Hitlergruß reckte. Die Prostituierte filmte mit ihrem Smartphone mit und erstattete später Anzeige.

Im Zuge des Ermittlungsverfahrens gegen den bisher Unbescholtenen stieß man auf Mails, die er an Freunde und Bekannte verschickt hatte. In diesen glorifizierte er Adolf Hitler, den er „da Beste ever“ nannte, und sich in moslemfeindlichen Ergüssen erging. Vor einem Schwurgericht (Vorsitz: Stefan Apostol) gab sich der Mann nun zahm: „Mir tut das leid. Das hat sich hochgeschaukelt.“ Schuld sei der Alkohol, er trinke zu viel: „Eine Flasche Wodka, bevor ich wegfahre.“ Er sei kein Ausländerfeind, auch kein Moslemhasser: Meine Freundin ist Polin, meine Putzfrau ist Moslem.“ Mit Hitler habe er „nichts am Hut. Ich verachte alle Despoten.“




Kommentieren