Letztes Update am Mi, 31.07.2019 14:43

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Drohung gegen Mutter von totem Sohn von bosnischem Kritiker



Die in Wiener Neustadt wohnende Mutter von David Dragicevic, verstorbener Sohn des Anführers einer Protestbewegung im serbischen Landesteil Bosniens, ist nach eigenen Angaben mit Drohungen konfrontiert. Laut der bosnischen Tageszeitung „OIslobodjenje“ ist es dazu gekommen, nachdem die Frau am Dienstag auf Facebook einen Polizeifunktionär für den Tod ihres Sohnes verantwortlich machte.

David Dragicevic war im März 2018 unter ungeklärten Umständen in Banja Luka in der Republika Srpska ums Leben gekommen. Seine Leiche war in einem Flussbett gefunden worden. Die Eltern waren von Anfang an davon überzeugt, dass der Sicherheitsapparat des serbischen Landesteils von Bosnien-Herzegowina für den Tod ihres Kindes verantwortlich sei. Sie organisierten deshalb Proteste dort unter dem Motto „Gerechtigkeit für David“. Die Regierung in Banja Luka wies die Vorwürfe, dass staatliche Stellen mit dem Tod David Dragicevics etwas zu tun hätten, zurück.

Nun beschuldigte die Mutter des Opfers laut „Oslobodjenje“ namentlich einen Inspektor der bosnisch-serbischen Polizeiverwaltung für die Organisierte Kriminalität. Angesichts der darauffolgenden, prompten Drohungen habe sie alle „wichtigen Organisationen“ informiert.

Davids Vater, Davor Dragicevic, war Ende Dezember untergetaucht, nachdem die bosnisch-serbischen Behörden die täglichen Proteste in Banja Luka untersagt und einen Haftbefehl gegen ihn erlassen hatten. Der Vorwurf: Er soll zwei serbischen Politikern gedroht haben. Zwischendurch tauchte er einmal in der Öffentlichkeit auf: Er nahm Mitte März in Wiener Neustadt an der erneuten Beerdigung seines Sohnes teil. Dessen Leiche war nämlich auf Antrag der Eltern exhumiert und nach Österreich überstellt worden, weil sie nicht wollten, dass ihr Kind in der Republika Srpska begraben sei - einem „Mafiastaat“, in dem Mörder gedeckt und Menschen wegen ihrer Meinung verfolgt würden, wie Davids Mutter damals sagte.




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