Letztes Update am Mi, 31.07.2019 15:49

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sturm braucht EL-Spagat: „Aufholen, aber nicht wild spielen“



Sturm Graz steht im Fußball-Europacup erneut vor einem frühen Aus. Die Grazer benötigen nach dem 0:2 vom Hinspiel am Donnerstag (20.30 Uhr/Puls 4) in der Europa-League-Qualifikation gegen den norwegischen Club FK Haugesund zumindest zwei Tore. Die Kulisse des Fast-“Geisterspiels“ ist dabei eine zusätzliche Herausforderung.

„Wir haben etwas aufzuholen, dürfen aber nicht wild spielen“, sagte Sturm-Trainer Nestor El Maestro am Mittwoch. Dass Haugesund im Gegensatz zu Sturm bereits mitten in der Meisterschaft steht, sei im Hinspiel ein großer Vorteil gewesen. Seine Truppe steht jetzt aber „voll im Saft. Dass wir am Sonntag körperlich gut ausgesehen haben, gibt uns Mut.“

Die Generalprobe verlief beim 3:0 gegen St. Pölten erfolgreich. Sturm strahlte auch jene Torgefahr aus, die es gegen die Norweger brauchen wird, um erstmals in der Clubgeschichte in UEFA-Bewerben einen Zwei-Tore-Rückstand noch zu drehen.

Die angestrebte Aufholjagd wird ohne den rekonvaleszenten Stefan Hierländer, Sturm-Neuerwerbung Bekim Balaj (keine Spielberechtigung) und möglicherweise auch ohne Thorsten Röcher stattfinden. Der Rückkehrer musste das Training am Dienstag auslassen.

Auf dem Weg in die dritten Quali-Runde, wo der niederländische Großclub PSV Eindhoven wartet, genießt Sturm nur eingeschränkt Heimvorteil. Die UEFA hatte den Becherwurf auf einen Schiedsrichter-Assistenten im bisher letzten Europacup-Heimspiel gegen Larnaka mit einem Geisterspiel sanktioniert. Nachdem die neue UEFA-Rechtspflegeordnung jedoch den Besuch von Kindern unter 14 Jahren erlaubt, haben sich für die Gratisaktion des Vereins an die 3.000 junge Menschen angemeldet. Die UEFA schickt zwei Kommissare zur Kontrolle.

El Maestro ortete die Kulisse als zusätzliche Herausforderung. „Wir müssen uns ohne Stimmung selbst pushen, dass wir in einen Rausch kommen.“ Verteidiger Thomas Schrammel hoffte auf laute Jung-Fans. „Ich denke, dass die Kinder ordentlich Wirbel machen werden. Die Mütter und Väter sollen sie ein bisserl anstacheln.“

Sie könnten den ersten Heimsieg auf internationaler Ebene seit fast acht Jahren miterleben. Im August 2011 wurde der FC Zestafoni aus Georgien in der CL-Quali mit 1:0 besiegt. Die Bilanz seither ist desaströs: Zehn Spiele, zehn Niederlagen, Torverhältnis 6:21.

In punkto Aufstellung und Taktik wollte sich der Trainer nicht in die Karten schauen lassen. „Jede Taktik ist richtig, solange man gewinnt. Wir sind zwei Tore hinten, müssen unbedingt das Spiel machen und dominieren. Auf der anderen Seite ist ein 0:0 zur Pause kein Desaster. Man kann man auch in der zweiten Hälfte zwei Tore machen“, sagte El Maestro.

Haugesund-Coach Jostein Grindhaug erwartete hingegen überfallsartige Angriffe. „Sturm wird versuchen, stark aus der Kabine zu kommen und ein frühes Tor zu erzielen“, erklärte Grindhaug. „Das sollte uns liegen. Wir sind gut darin, die Gegner mit Kontern zu bestrafen. Mein Team ist in der Fremde stark und diszipliniert.“

Der derzeit Achte der norwegischen Liga muss in Graz sechs Spieler vorgeben. Mit Ex-Nationalspieler Christian Grindheim fehlt der Kapitän und erfahrenste Mann im Kader erneut. Grindhaug bezifferte die Aufstiegschancen nach wie vor mit 50:50. Der Vorstoß in die 3. EL-Quali-Runde ist dem 1993 fusionierten Club noch nie gelungen.




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