Letztes Update am Do, 01.08.2019 11:49

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ludwig denkt über Reform bei Wiener Parkpickerl nach



Die Wiener Parkraumbewirtschaftung könnte mittelfristig reformiert werden. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) denkt über Änderungen des bestehenden Modells nach. In einem Interview mit der Tageszeitung „Österreich“ schlug er vor, die derzeitige bezirksweise Regelung durch flexiblere Lösungen zu ersetzen. Die Idee eines wien-weiten Pickerls sieht er skeptisch.

Ein Sprecher Ludwigs bestätigte am Donnerstag die Überlegungen gegenüber der APA. Fix ist allerdings noch nichts: „Das ist ein Vorschlag von mehreren“, so der Sprecher. Ziel sei es jedenfalls, einfachere und flexiblere Lösungen zu erarbeiten. Denn durch die historisch gewachsenen Bezirkslösungen sei über die Jahre eine Art Fleckerlteppich entstanden.

Zeithorizont gebe es aber keinen. „Es gibt keinen Zeitdruck“, versicherte der Sprecher. Denn das bestehende Modell funktioniere ja. Gespräche mit den zuständigen Fachabteilungen, dem grünen Koalitionspartner und den Bezirken würden jedenfalls laufen. Es gehe auch um die Frage, ob etwaige Änderungen rechtskonform seien.

Aktuell muss man in 19 von 23 Bezirken - ausgenommen sind Hietzing, Floridsdorf, Donaustadt und Liesing - für das Abstellen des Autos bezahlen. Das betrifft aber oftmals nicht das gesamte Bezirksgebiet, sondern fix definierte Zonen. Will man dort parken, muss man einen Parkschein ausfüllen, wobei sich Abstellzeiträume und zulässige Parkdauer innerhalb und außerhalb des Gürtels unterscheiden. Anrainer können eine Dauerplakette für ein oder zwei Jahre beantragen und sind somit von diesen Beschränkungen in ihrem Bezirk (inklusive Überlappungszonen) ausgenommen.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass man nicht nur die Bezirksgrenzen heranzieht, sondern Zonen, die der Lebenssituation vieler Menschen näher liegen, etwa vom Wohnort zum Schulort“, sagte Ludwig gegenüber „Österreich“. Die Bezirke sollen in die Reformüberlegungen jedenfalls eng eingebunden werden, bekräftigte der Bürgermeister-Sprecher. Ob die Bezirke bei der Parkraumbewirtschaftung weiterhin das letzte Wort haben sollen, dürfte aber noch offen sein. Nur soviel: „Dass das Rathaus ein neues Modell verordnet und die Bezirke haben nichts mehr zu melden, das wird es sicher nicht geben“, versicherte der Sprecher.

Die Parkpickerl-Debatte hat in jüngster Zeit erneut Schwung bekommen. Auslöser war ein Vorschlag des Donaustädter Bezirksvorstehers Ernst Nevrivy (SPÖ). Er plädierte unlängst für ein wien-weites kostenloses Pickerl. Gleichzeitig sollten Auto-Einpendler „schon an der Stadtgrenze abgefangen werden“. Unterstützung für eine stadtweite Plakette gab es in Folge sowohl aus den ebenfalls SPÖ-regierten Bezirken Floridsdorf und Donaustadt als auch von den ÖVP-Bezirken Hietzing und Döbling. Die FPÖ fordert seit langem ein Pickerl für das gesamte Stadtgebiet.

Ludwig zeigte sich dieser Idee gegenüber allerdings eher ablehnend. Man würde den Lenkungseffekt verlieren. „Der innerstädtische Raum würde dadurch enorm belastet“, warnte der Stadtchef im „Österreich“-Interview.




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