Letztes Update am Do, 01.08.2019 14:01

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Grazer Dom: Renovierungsarbeiten des Innenraums im Zeitplan



Die Renovierung des Grazer Doms liegt im Zeitplan: Dies gaben Domprobst Heinrich Schnuderl und Architekt Peter Grabner am Donnerstag bekannt. Bei der Pressekonferenz auf dem Baugerüst in fast 20 Meter Höhe im Inneren des Doms wurde auf einige Entdeckungen während der Arbeiten aufmerksam gemacht, u.a. die Jahreszahl beginnend mit 16 hoch am Deckengewölbe, die auf eine frühere Renovierung hindeutet.

Rund 40 Tonnen an Gerüst wurden im Inneren der dem Heiligen Ägydius geweihten Kathedralkirche der Diözese Graz-Seckau aufgebaut, um die Renovierungsarbeiten in luftiger Höhe zu ermöglichen. Diese sind nun nahezu abgeschlossen, sodass nächste Woche mit dem Abbau der Plateaugerüste begonnen werden kann, so Schnuderl. Einzelne Teile wie Altarbilder oder Figuren wurden in Ateliers der Restaurateure gebracht. Andere, die nicht demontiert werden konnten, müssen vom Gerüst aus saniert werden.

Laut Architekt Grabner von der Bauabteilung der Diözese Graz-Seckau wurden Putzflächen gefestigt und Risse geschlossen, dann wurden die Fresken bearbeitet, da bei früheren Restaurierungen ein falsches Farbbild verwendet worden war. Ziel war die Reinigung und Konservierung des Bestandes, dies erklärt laut Grabner auch, warum etwa das große Fresko von Kaiser Friedrich III. als der Heilige Christophorus hoch an der südlichen Mauer nicht vervollständigt wurde. Friedrich III. - früher als Friedrich IV. Herzog der Steiermark - hatte 1438 den Bau des Doms in Auftrag gegeben.

Das Besondere an der Christophorus-Darstellung ist, dass sie das Gesicht von Friedrich trägt: „Das Selbstverständnis des Kaisers ist beachtlich. Er hat Jesus in seiner Krone, die offenkundig der steirische Herzogshut ist, und das soll kundtun, dass er Gott in die Welt trägt“, sagte Schnuderl beim Lokalaugenschein. Auf der gegenüberliegenden nördlichen Mauer ist der „wirkliche“ Christophorus dargestellt - an diesem Fresko werde gerade restauratorisch gearbeitet.

Grabner lobte die letzte Renovierung aus den 1970er-Jahren: Damals wurden gute Vorbereitungen für künftige Verlegungen der Elektrokabel getroffen. Man musste nur wenige neue Schlitze in die Wände machen. Viele Kabel könnten über den Dachboden laufen. Es werden auch Monitore in die Seitenschiffe gebaut, damit künftig auch hier ein Blick auf den Hauptaltar während Zeremonien möglich ist. Überhaupt sei die Kirche über die Jahrhunderte immer gut gepflegt worden. Die Kirchenbänke des Langschiffes wurden in eine eigens angemietete Halle gebracht und werden dort saniert. Über den Brandschutz sagte Grabner - Stichwort Notre Dame de Paris - zur APA, dass die Elektrik über Nacht abgeschaltet werde, Flämm-, Flex- oder Schweißarbeiten gebe es im Dom nicht.

Schnuderl ist guten Mutes, dass der heurige Advent bereits wieder im restaurierten Langschiff gefeiert werden kann. Die nächsten Bauabschnitte werden die Instandsetzung des Presbyteriums mit dem barocken Hochaltar im Jahr 2020 sein. 2021 sind die Seitenkapellen an der Reihe, 2022 wird der Abschluss aller Arbeiten mit der Sanierung der Orgel erfolgen.

Die Diözese, das Land Steiermark und die Stadt Graz und das Bundeskanzleramt sowie Firmen und Private beteiligen sich finanziell am Gesamtrenovierungsprojekt, das auf rund sechs Millionen Euro kommt. Die Arbeiten der Generalsanierung sind für einen Zeitraum von sechs Jahren angelegt, die ersten beiden Jahre waren der Sanierung des Außenraums gewidmet.




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