Letztes Update am Do, 01.08.2019 16:40

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Chinas Militärchef in Hongkong verurteilt Unruhen



Der Chef von Chinas Streitkräften in Hongkong hat die seit Wochen andauernden Ausschreitungen in der Stadt erstmals öffentlich verurteilt. Die Unruhen hätten das Leben und die Sicherheit der Menschen ernsthaft bedroht und sollten nicht toleriert werden, sagte Chen Daoxiang, Kommandant der Volksbefreiungsarmee in Hongkong auf einem Empfang zum 92. Gründungstags der chinesischen Armee am 1. August.

In seiner Rede rief Chen Daoxiang laut der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ dazu auf, „die nationale Souveränität, Sicherheit, Stabilität und den Wohlstand von Hongkong zu schützen“. Auch veröffentlichte die Hongkonger Garnison demnach ein etwa dreiminütiges Werbevideo, in dem an einer Stelle zu sehen ist, wie Soldaten trainieren, einen Aufstand aufzulösen.

In der Finanzmetropole gibt es seit Wochen immer wieder Protestmärsche mit Hunderttausenden Teilnehmern. Dabei kommt es auch immer wieder zu schweren Ausschreitungen zwischen Polizei und Demonstranten.

Hunderte Beschäftigte der Finanzbranche in Hongkong solidarisierten sich unterdessen mit den Massenprotesten gegen die wachsenden chinesischen Eingriffe in der Sonderverwaltungszone. Bei strömendem Regen versammelten sich die Bankenmitarbeiter am Donnerstagabend (Ortszeit) zu einer Demonstration im Finanzdistrikt.

Dabei hielten sie ihre Handys in die Höhe, um eine spontane Lichtershow zu schaffen, und bekundeten in Sprechchören ihre Unterstützung für die seit Wochen andauernden Großdemonstrationen.

Nach Angaben der Organisatoren nahmen Beschäftigte von rund 80 Banken an der Demonstration teil, zu der über den Internetdienst Telegram aufgerufen worden war. Mehr als 700 Bankenmitarbeiter veröffentlichten Fotos ihrer Hausausweise im Netz, um ihre Teilnahme an einer Großdemonstration in der gesamten Stadt am kommenden Montag anzukündigen.

Empört zeigten sich die Bankbeschäftigten vor allem über die Angriffe durch Mitglieder der chinesischen Mafia, der sogenannten Triaden, auf regierungskritische Demonstranten. Bei den Attacken der Schlägertrupps waren im Juli mindestens 45 Menschen verletzt worden. Es besteht der Verdacht, dass diese Angriffe von der Polizei absichtlich zugelassen worden waren.

Teilnehmer der Kundgebung am Donnerstag warfen den Polizeibehörden vor, im Vorgehen gegen die Massenproteste mit den Triaden zu kooperieren. KS Wong, der für die HSBC-Bank arbeitet, bezeichnete dies als Problem für ausländische Investoren. Deren Vertrauen in den Hongkonger Markt hänge davon ab, dass sie „in unseren Rechtsstaat vertrauen“ könnten.

Die Proteste in Hongkong waren ursprünglich durch ein später zurückgezogenes Auslieferungsgesetz ausgelöst worden, das die Überstellung von Verdächtigen an das chinesische Festland erlaubt hätte. Später weiteten sie sich zu einer Bewegung für demokratische Reformen und gegen den wachsenden Einfluss Pekings in der ehemaligen britischen Kronkolonie aus. Großbritannien hatte Hongkong 1997 an die Volksrepublik übergeben. Für 50 Jahre wurde der Finanzmetropole dabei aber ein Sonderstatus gewährt.

Mit Blick auf die andauernden Proteste zog der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, Parallelen zum Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in Peking vor 30 Jahren. Auf die Frage, ob chinesische Truppenbewegungen an der Grenze zu Hongkong darauf hindeuten, dass militärische Gewalt gegen Demonstranten eingesetzt werden könnte, sagte Bolton am Mittwoch in einem Interview des US-Senders Fox Business: „Ich glaube nicht, dass es sich um einen Zufall handelt.“ Er habe „Gerüchte von Freunden in der Region“ darüber gehört.

Im Frühjahr 1989 hatten sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking über Wochen hinweg Demonstranten versammelt und Reformen gefordert. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 rollten Panzer an und Soldaten eröffneten das Feuer.

Der Finanzdienst Bloomberg berichtete mit Verweis auf eine US-Regierungsquelle, dass Truppenbewegungen an der Grenze zu Hongkong beobachtet worden seien. Beobachter verwiesen jedoch darauf, dass es immer wieder zu solchen Bewegungen kommt.

Später berichteten chinesische Staatsmedien, dass in der Region 190.000 Polizisten für die anstehenden Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag der Volksrepublik am 1. Oktober geübt hätten. An der Übung seien auch gepanzerte Fahrzeuge und Hubschrauber beteiligt gewesen.




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