Letztes Update am Fr, 02.08.2019 14:58

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


15 Monate teilbedingt für 14-Jährigen in Linz



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15 Monate teilbedingte Haft hat am Freitag ein 14-Jähriger im Landesgericht Linz ausgefasst, der an einem Raub beteiligt gewesen sein und von einem Jugendlichen immer wieder Geld und Kleidung erpresst haben soll. Zehn Monate der Strafe wurden zur Bewährung ausgesetzt. Zudem ordnete das Gericht Bewährungshilfe an. Von zwei versuchten Rauben und einem Diebstahl wurde er freigesprochen.

Auch wenn er das erste Mal vor Gericht stand, so war der Bursch für die Justiz kein Unbekannter: Davor waren bereits 16 Verfahren gegen den jungen Afghanen eingestellt worden, weil er damals noch nicht strafmündig war. Die Anklage warf ihm die Beteiligung an zwei versuchten Raubüberfällen auf eine Elfjährige sowie an einem Raub an einem 16-Jährigen vor, dem er einen Fußtritt ins Gesicht versetzt haben soll. Zudem legte ihm die Staatsanwaltschaft noch zur Last, von einem 13-Jährigen Geld und Kleidung erpresst und gemeinsam mit anderen einer Pensionistin 50 Euro gestohlen zu haben.

Von dem 13-Jährigen soll der Angeklagte unter Androhung von Schlägen und mit dem Hinweis, dass er Mitglied der LML-Bande - einer Gruppe sehr junger Straftäter, die vor allem im Linzer Umland ihr Unwesen treibt - sei, immer wieder Geld und bestimmte Kleidungsstücke gefordert und auch bekommen haben. Über soziale Medien soll er eine regelrechte Bestellliste, welche Schuhe oder Jacken er gerne hätte, bei dem Teenager aufgegeben haben. Er bekam auf vier Etappen Artikel im Gesamtwert von 415 Euro und 280 Euro Bargeld ausgehändigt. U.a. soll der 13-Jährige sogar bei einem London-Trip von seinem Taschengeld Kleidung gekauft haben, die von ihm verlangt worden sei. Der Angeklagte gab diese Vorwürfe zu, will aber nicht bei der LML-Bande sein.

In den anderen Punkten ergaben sich im Lauf der Verhandlung massive Zweifel: Die überfallene Elfjährige entlastete den Angeklagten und sagte, dieser sei nicht unter den Tätern gewesen. Nach der Einvernahme des 16-Jährigen stellte sich die Situation so dar, dass der Angeklagte wohl am Raub beteiligt gewesen sei, aber ihm nicht den Fußtritt ins Gesicht versetzt habe. Die bestohlene Pensionistin war sich bei der Polizei nicht ganz sicher, ob der Angeklagte dabei war.

Die Staatsanwältin räumte in ihrem Schlussplädoyer „fehlende Beweise“ im Fall des überfallenen Mädchens bzw. eine „dürftige Beweislage“ ein, was den Fußtritt gegen das männlichen Raubopfer und die bestohlenen Pensionistin angehe. Für die Anklagevertreterin stand aber fest, dass der Bursch an dem Raub, dessen Opfer der 16-Jährige wurde, beteiligt war, und, dass er die Erpressung des 13-Jährigen begangen habe. Sie forderte daher in diesen Fällen einen Schuldspruch und eine Haftstrafe. Zudem brauche es flankierende Maßnahmen wie Bewährungshilfe und eine stationäre Unterbringung.

Das Schöffengericht folgte dem im Wesentlichen und sprach den Burschen wegen versuchten Raubes an dem 16-Jährigen als Beitragstäter, wegen Erpressung, krimineller Vereinigung, Urkundenunterdrückung und Entfremdung unbarer Zahlungsmittel schuldig. Von den versuchten Raubüberfällen auf das Mädchen und dem Diebstahlsvorwurf wurde er freigesprochen.

Das Urteil lautete 15 Monate, davon zehn bedingt. Darüber hinaus muss der Jugendliche, der nach seiner Haftentlassung in eine Wohngemeinschaft fernab seines bisherigen Freundeskreises übersiedeln soll, seinen Opfern insgesamt 3.000 Euro Teilschmerzensgeld bezahlen und Bewährungshilfe in Anspruch nehmen. Er akzeptierte das Urteil. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.




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