Letztes Update am Sa, 03.08.2019 09:38

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nestroys „Jux“ in Stockerau: Gediegener Retro-Charme



Bei den Festspielen Stockerau, die ihr 55-jähriges Jubiläum begehen, ist wieder einmal ein inhaltlicher Paradigmenwechsel erfolgt. Neo-Intendant Christian Spatzek hat Johann Nestroys „Einen Jux will er sich machen“ inszeniert und spielt auch selbst den Weinberl. Ein gediegener Einstand mit biedermeierlichem Retro-Charme, wie sich bei der Premiere am Freitagabend erwiesen hat.

Anfangs schien es gar, als wollte Petrus die Aufführung regelrecht vermasseln, doch es war wohl nur die dezente Taufe von oben, die den unter den Sitzen bereit liegenden Regenhäuten zum kurzen Einsatz verhalf. Ein meteorologisches Dramaturgie-Element, zum Glück ohne weitere Konsequenzen.

Die Stockerauer Produktion bringt die Nestroy‘sche Posse auf ziemlich konventionelle Weise an die gewogene Zuschauerschaft. Die intendierte Originaltreue erzeugt allerdings kaum neue Einsichten. Nestroys Dialoge funktionieren zwar, bleiben aber relativ zahm. Dies gilt auch für die jeweils mit einer aktuellen Alibistrophe versehenen Couplets, wobei sich Peter Uwira (Keyboard) für ein Medley von Mozart bis Johann Strauss entschieden hat, statt auf die Originalmusik von Josef Müller - wenn schon, denn schon - zurückzugreifen. Aber zum Radetzkymarsch lässt sich halt schön mitklatschen.

Immerhin sind einige schauspielerische Kaliber am Werk: Franz Suhrada ist ein vortrefflich raubeiniger Hausdiener Melchior, Gerhard Ernst ein bärbeißiger, fürwahr schwergewichtiger Zangler, Barbara Kaudelka spielt den Christopherl rollengemäß burschikos. Bühnenbildner Manfred Waba hat aufwendige Kulissen zimmern lassen und einen imposanten Halbkreis aus pittoresken Häuserfassaden um den Turm der Stadtpfarrkirche gestellt („Stock City“), möglicherweise inspiriert vom Outlet Center bei Parndorf, jenem burgenländischen Ort, wo Spatzek schon bisher Sommertheater gemacht hat.

Ein netter, sympathischer, durchaus unterhaltsamer Abend, der keinen Moment lang überrascht, verwundert oder irritiert. Muss ja nicht sein, in Stockerau, wo man nach Jahren des Experiments nun offenbar auf die garantierte „Nummer sicher“ gehen will.

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