Letztes Update am Sa, 03.08.2019 12:40

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bericht über österreichische Drohnen-Lieferung nach Myanmar



Der niederösterreichische Drohnenhersteller Schiebel hat einem Bericht des Nachrichtenmagazins „profil“ zufolge das mit einem EU-Waffenembargo belegte Myanmar mit seinem Minihubschrauber Camcopter S-100 beliefert. Ein Video des Militärsenders MWD vom Dezember 2018 zeige, wie die Drohne von Soldaten gesteuert werde. Laut Schiebel wurde sie zum Einsatz bei Bauvorhaben angeschafft.

Militär und Grenzpolizei des südostasiatischen Landes wird vorgeworfen, an Massakern an der muslimischen Minderheit Rohingya beteiligt zu sein. Seit 26. April 2018 gilt ein verschärftes EU-Embargo, das auch militärisch oder zivil nutzbare Güter („Dual-Use-Güter“) umfasst wie etwa den mit einer hochauflösenden Kamera ausgestatteten unbemannten Hubschrauber Camcopter S-100.

Schiebel schrieb in einer Stellungnahme an das Magazin, der Käufer des Hubschraubers habe angegeben, diesen zur „Überwachung und Kartographierung im Bergbau und Straßenbau“ einzusetzen. Die Lieferung habe laut Schiebel nicht gegen das noch immer laufende EU-Embargo verstoßen, das Wirtschaftsministerium habe die dafür notwendigen Exportlizenzen ausgestellt. Unklar war demnach, wer der Käufer war, wann die Geräte exportiert wurden und in welcher Stückzahl. Schiebel und das Wirtschaftsministerium waren für die APA zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Die Drohne mit einer Reichweite zwischen 80 und 100 Kilometern ist ein weltweiter Verkaufsschlager von Schiebel. Sie wurde aber nicht nur zur internationalen Überwachung des Waffenstillstands in der Ostukraine oder zur Flüchtlingsrettung im Mittelmeer eingesetzt, sondern auch von autoritären Regierungen wie China, Libyen und den Emiraten angeschafft und tauchte auch in Bürgerkriegsgebieten wie dem Jemen auf. Immer wieder gab es auch Berichte über eine mögliche Bewaffnung, die aber von Schiebel „definitiv nicht unterstützt“ wird, wie Geschäftsführer Hannes Hecher im Jahr 2017 betonte.

Schiebel will die Drohne nicht als Militärgerät qualifiziert wissen und den Schwerpunkt auf die zivile Nutzung legen. Auf seiner Internetseite stellt das Wiener Unternehmen das Gerät aber weiterhin mit folgenden Worten vor: „Schiebel‘s CAMCOPTER S-100 unbemanntes Luftsystem (UAS) hat bewiesene Fähigkeiten für militärische und zivile Anwendungen.“




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