Letztes Update am Sa, 03.08.2019 14:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Demonstration in Moskau gegen Wahlausschluss



Begleitet von einem großen Aufgebot der Polizei haben in Moskau mehrere Hunderte Menschen für freie und faire Wahlen demonstriert. Sie versammelten sich am Samstag trotz eines Verbots der Behörden zu einem rund sieben Kilometer langen Spaziergang. Liberale Kräfte der Opposition hatten dazu aufgerufen.

Die Sicherheitskräfte sperrten das Zentrum der russischen Hauptstadt mit Metallgittern weiträumig ab. dpa-Reporter berichteten von einer bedrohlich wirkenden Atmosphäre rund um den Platz Nikitskije Worota. Zu Beginn der Aktion regnete es stark. Polizisten in Regencapes kontrollierten Menschen. Dem Bürgerrechtsportal OWD-Info zufolge gab es auch Festnahmen.

Es ließ sich zunächst nicht genau abschätzen, wie viele sich an dem Protest beteiligten. Vereinzelt wurden kleine Plakate gezeigt, auf denen die Entscheidung der Wahlkommission kritisiert wurde. Die Polizei hielt sich zunächst zurück.

Über dem abgesperrten Puschkinplatz, das Herzstück Moskaus, kreiste ein Hubschrauber. Zu sehen waren auch Polizei- und Gefängnisbusse, um Festgenommene abzutransportieren. Bei einer Kundgebung vor einer Woche in Moskau wurden rund 1400 Menschen festgenommen.

Die Demonstranten wollen erreichen, dass unabhängige Kandidaten und Oppositionelle zur Wahl des neuen Moskauer Stadtparlaments in fünf Wochen zugelassen werden. Zahlreiche Politiker wie der prominente Kremlkritiker Ilja Jaschin wurden von den Behörden nicht als Bewerber registriert.

Zuvor hatte die russische Polizei die bekannte Oppositionelle Lyubow Sobol kurz vor der Kundgebung in einem Taxi festgenommen, mit dem sie zur Demonstration fahren wollte. Die Polizei brachte sie in einem ihrer Fahrzeuge weg. Sobol hatte zu dem Protest aufgerufen.

Sobol arbeitet mit dem Oppositionspolitiker Alexej Nawalny, einem der prominentesten Kritiker von Präsident Wladimir Putin, zusammen und befindet sich derzeit im Hungerstreik und bezeichnete sich als geschwächt. Viele prominente Oppositionspolitiker sitzen im Arrest.




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