Letztes Update am So, 04.08.2019 12:51

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bericht: No-Deal-Brexit würde auch viele Schulen treffen



Ein ungeregelter Brexit dürfte laut einem Bericht auch viele britische Schulen hart treffen. Die Folgen reichten von Kürzungen beim Schulessen bis zum Ausfall des Unterrichts, berichtete der „Guardian“ am Sonntag. Schlimmstenfalls müssten Schulen in Grenzregionen vorübergehend geschlossen werden. Der Zeitung liege ein vertrauliches Dokument des Bildungsministeriums für den No-Deal-Fall vor.

Premierminister Boris Johnson will Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union führen - notfalls auch ohne Abkommen. Ein No-Deal-Brexit wird Prognosen zufolge zu chaotischen Verhältnissen in zahlreichen Lebensbereichen führen. Wegen der dann zeitraubenden Grenzkontrollen etwa im Raum Dover am Ärmelkanal wird mit Megastaus durch Tausende von Lastwagen vom europäischen Festland gerechnet. Viele Briten fürchten um die Versorgung mit frischen Lebensmitteln und Medikamenten. Lagerhallen sind schon lange ausgebucht.

Unterdessen kündigte Johnson eine zusätzliche einmalige Finanzspritze in Höhe von 1,8 Milliarden Britischen Pfund (knapp zwei Milliarden Euro) für Krankenhäuser an. Davon sollen die Kliniken unter anderem neue Geräte kaufen. Er wolle sein Wahlversprechen halten und den Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) mehr unterstützen, schrieb Johnson in der „Sunday Times“. Die oppositionelle Labour Party kritisierte umgehend, dass solche Finanzspritzen die jahrelangen Kürzungen nicht wettmachen könnten. Der NHS gilt als marode und völlig überlastet.

Zudem will Johnson einem Insider zufolge das britische Gesundheitswesen bis 2023 mit zusätzlichen 20 Milliarden Pfund (fast 22 Milliarden Euro) ausstatten, sagte eine mit den Planungen seines Teams vertraute Person am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Johnsons Vorgängerin Theresa May hatte bereits ähnliches vorgehabt. Diese Pläne sollen nun vorangetrieben werden.

Johnson hatte vor dem Brexit-Referendum 2016 behauptet, dass das Vereinigte Königreich wöchentlich 350 Millionen Pfund (etwa 380 Millionen Euro) an die EU zahlen müsse. Dieses Geld könne besser in den NHS investiert werden. Was er verschwieg: London erhält einen erheblichen Teil seiner Beiträge zurück, etwa für die Landwirtschaft.




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