Letztes Update am So, 04.08.2019 14:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tausende demonstrieren trotz Warnungen wieder in Hongkong



Trotz Warnungen der chinesischen Regierung sind in Hongkong erneut tausende Menschen gegen die pekingtreue Führung der chinesischen Sonderverwaltungszone auf die Straße gegangen. Die Protestbewegung hielt am Sonntag zwei Demonstrationen in den Stadtteilen Tseung Kwan O und Kennedy Town ab. Die chinesische Regierung verschärfte den Ton und bezeichnete die Demonstranten als „hässliche Kräfte“.

Die Polizei nahm nach Angaben vom Sonntag mehr als 20 Teilnehmer fest und begründete dies mit diversen Vergehen, darunter Körperverletzung und unrechtmäßige Versammlung.

„Die Zentralregierung wird nicht untätig zusehen und diese Situation fortdauern lassen“, zitierte die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua die Regierung in Peking.

Dem Aktivismus der Hongkonger taten die Warnungen keinen Abbruch. Die Demonstration in Kennedy Town fand unweit der chinesischen Vertretung statt, wo vor zwei Wochen eine Konfrontation zwischen Polizei und einer Gruppe gewaltbereiter Demonstranten eskaliert war.

Am Montag wollen Tausende Hongkonger ihre Arbeit niederlegen. Der Streik soll die „starke Unzufriedenheit der Hongkonger Bürger mit der politischen Ungerechtigkeit ausdrücken“, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung eines Aktivisten-Bündnisses, das zu der Aktion aufgerufen hatte. Mindestens 14.000 Menschen aus 20 Sektoren wollen sich an dem Streik beteiligen, wie die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ berichtete.

Unter anderem Mitarbeiter des Transportgewerbes, Sozialarbeiter, Erzieher, Angestellte in der Finanzindustrie und von Fluggesellschaften wollen demnach die Arbeit niederlegen und sich in acht Bezirken der Stadt an Protestaktionen beteiligen. Auch zahlreiche Cafés und Geschäfte sollen am Montag geschlossen bleiben.

In den vergangenen beiden Wochen hat die Gewalt auf Seiten von Demonstranten und Polizei zugenommen. Erst am Samstag hatte die Polizei bei Protesten im bei Touristen beliebten Stadtteil Tsim Sha Tsui erneut Tränengas und Schlagstöcke gegen Demonstranten eingesetzt.

Die Proteste hatten sich vor rund zwei Monaten an Plänen der Regierung für ein Gesetz zur Auslieferung von Beschuldigten nach China entzündet. Seit Mitte Juni weiten sich die Proteste zu einer Bewegung gegen den wachsenden Einfluss Pekings in Hongkong aus. Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Regierungschefin Carrie Lam und demokratische Reformen.

Die Bevölkerung der früheren britischen Kronkolonie genießt seit der Übergabe an China 1997 Freiheiten wie die der freien Meinungsäußerung, die sonst in der Volksrepublik tabu sind. Diese sehen die Demonstranten gefährdet.




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