Letztes Update am So, 04.08.2019 18:07

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hamilton baute WM-Führung mit Ungarn-Triumph aus



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Ein weltmeisterlicher Schlussspurt hat Lewis Hamilton am Sonntag seinen achten Saisonsieg in der Formel 1 beschert. Der englische Mercedes-Star entriss dem erstmals aus der Pole Position gestarteten Red-Bull-Piloten Max Verstappen im Finish des Grand Prix von Ungarn dank mutiger Reifenstrategie noch den Sieg. Das entscheidende Überholmanöver fand erst in der 67. von 70 Runden statt.

Mit seinem 81. Karriere-Erfolg baute Hamilton auch die WM-Führung aus. Der Titelverteidiger geht mit 62 Punkten Vorsprung auf seinen diesmal nur achtplatzierten Teamkollegen Valtteri Bottas und 69 auf Verstappen in die vierwöchige Sommerpause. Die Ferraris konnten nicht in den Kampf um den Sieg eingreifen. Sebastian Vettel presste sich in der vorletzten Runde noch an Charles Leclerc vorbei und landete vor seinem Stallgefährten auf Rang drei.

Das Rennen war von einem Zweikampf zwischen Hamilton und Verstappen geprägt. Verstappen gab lange Zeit den Ton an. Weil Hamilton auf der Strecke nicht vorbeikam, griff Mercedes in die Trickkiste und zog wider Erwarten in der 49. Runde ein zweites Mal frische Reifen auf - ein Schachzug, der Hamilton letztlich seinen siebenten Ungarn-Sieg bescherte. So oft hat der fünffache Weltmeister sonst nur in Montreal gewonnen.

Hamilton hatte die Entscheidung selbst angezweifelt. Nach der Zieldurchfahrt bedankte er sich bei der Mercedes-Crew um Chefstratege James Vowles. „Ich bin stolz auf das Team, dass sie immer an mich glauben“, sagte Hamilton, der nach dem zusätzlichen Boxenstopp 20 Sekunden aufholen musste. „Ich bin jetzt sechs Jahre hier, und es nützt sich nicht ab. Es fühlt sich wie ein neuer Sieg an.“ Auch der im Mai verstorbene Niki Lauda hätte seine Kappe vor der Leistung des Teams gezogen, meinte der 34-Jährige.

Der Weltmeister hatte laut eigenen Angaben das ganze Wochenende mit Bremsproblemen zu kämpfen. Dennoch gelang es Hamilton am Ende, dem aufstrebenden Verstappen dessen dritten Sieg in den jüngsten vier Rennen zu verwehren. „Ich habe alles versucht auf dem harten Reifen, um am Leben zu bleiben“, schilderte der Niederländer die Schlussphase. „Wir haben nicht gewonnen, aber es war ein guter Tag und ein gutes Wochenende für uns.“

Ähnlich sah es Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko, der am Vortag noch Verstappens erste Pole bejubelt hatte. „Im Rennen war der Mercedes der schnellere, das muss man eingestehen“, sagte der Steirer im ORF-Interview. Zudem sei der Reifen-Schachzug der richtige gewesen. Toto Wolff gratulierte seiner Mannschaft zur Entscheidung. „Das ist alles superruhig abgelaufen, wie bei einem Flieger im Cockpit“, erklärte der Mercedes-Teamchef.

Verstappen hatte sich am Start gegen die beiden Silberpfeile behauptet. Hamilton kam aber zumindest an Bottas vorbei. Der Finne beschädigte sich dabei leicht den Frontflügel. Nach einer weiteren Berührung mit Leclerc musste er den Teil tauschen und sich vom Ende des Feldes nach vorne kämpfen. Bottas sprach von „vielleicht nicht so viel Respekt“ seines Teamkollegen, Wolff von einem „Seuchenrennen“ seines um seinen Sitz für 2020 fahrenden Schützlings.

Hamilton kam später als Verstappen zum ersten Boxenstopp, flog danach mit bis zu zwei Sekunden schnelleren Rundenzeiten an den Niederländer heran, kam aber nicht an diesem vorbei. Highlight: eine unbelohnte Attacke in Kurve 4 - einer Stelle, an der es so gut wie unmöglich ist, zu überholen. Es gelang erst mit neuen, weicheren Reifen am Ende der Start-Ziel-Geraden.

Verstappens Pneus waren am Ende. Der 21-Jährige kam drei Runden vor Schluss sogar noch einmal an die Box und sicherte sich den Extrapunkt für die schnellste Runde - zum dritten Mal in dieser Saison. Seine 1:17,103 Minuten sind auch die schnellste jemals gefahrene Rennrunde auf dem Hungaroring. Sein Teamkollege Pierre Gasly kam hinter Carlos Sainz jr. im McLaren nicht über Rang sechs hinaus.

Vettel erreichte als Dritter mit über einer Minute Rückstand das Ziel. Der Deutsche, der mit weichen Reifen im Finish ebenfalls in die Trickkiste gegriffen hatte, tröstete sich mit seinem sechsten Podestplatz der Saison und einer Champagner-Dusche. „Mit den beiden da vorne haben wir das ganze Wochenende nie mitgehen können“, sagte Vettel über die Überlegenheit von Hamilton und Verstappen. „Es werden Strecken kommen, die besser für uns sind.“

Das nächste Rennen steht erst am 1. September in Spa in Belgien auf dem Programm. Dort hatte Vettel im August des Vorjahres seinen bisher letzten GP-Sieg gefeiert. Die letzte Chance, ein Jahr Sieglosigkeit zu vermeiden, war in Ungarn nie wirklich greifbar. Neun von 21 Saisonrennen sind nach der Sommerpause noch ausständig.




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