Letztes Update am Di, 06.08.2019 14:41

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Japan gedenkt des Atombombenabwurfs auf Hiroshima



Mit Blick auf das Ende des Abrüstungsabkommens INF zwischen den USA und Russland hat der Bürgermeister von Hiroshima zur atomaren Abrüstung in der Welt aufgerufen. Bei einer Gedenkzeremonie zum 74. Jahrestag des Abwurfs einer US-Atombombe auf die japanische Stadt rief Bürgermeister Kazumi Matsui sein Land am Dienstag auf, dem UNO-Atomwaffenverbotsvertrag von 2017 beizutreten.

Japans rechtskonservativer Ministerpräsident Shinzo Abe ging in seiner Rede am Gedenktag auf den Vertrag nicht ein. Japan, das sich vom Atomwaffen- und Raketenprogramm Nordkoreas bedroht fühlt, steht unter dem atomaren Schutzschild seines heutigen Sicherheitspartners USA.

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Außenminister Alexander Schallenberg sprachen sich unterdessen für eine Abschaffung von Nuklearwaffen aus. „Hiroshima und Nagasaki erinnern uns an die Unmenschlichkeit von Nuklearwaffen. Das Gedenken an die Opfer mahnt uns eindringlich, dass wir uns weiterhin aktiv für eine Welt ohne Nuklearwaffen einsetzen müssen“, erklärte Bierlein. „Diese Waffen gehören ein für alle Mal abgeschafft“, so die Bundeskanzlerin und der Außenminister unisono. Schallenberg ergänzte: „Gerade in diesen Zeiten wieder wachsender Spannungen zwischen den Großmächten müssen wir die nukleare Abrüstung konsequent vorantreiben.“

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, ÖVP-Chef Sebastian Kurz und SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner sprachen sich für eine Welt ohne Atomwaffen aus. „Wir dürfen nie vergessen, was Menschen einander in kriegerischen Zeiten antun können“, schrieb Van der Bellen am Dienstag auf Twitter. Das Gedenken an die Atomwaffenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki „ist ein Aufruf zu Solidarität, Frieden & Menschlichkeit, für eine Welt ohne Atomwaffen, Krieg & Gewalt“, so der Bundespräsident.

„Atomwaffen haben keinen Platz in unserer Welt. So etwas darf nie wieder passieren!“, ließ Kurz ein Foto beschriften, das ihn beim Besuch der Gedenkstätte in Hiroshima im Februar zeigt.

„Es ist unsere gemeinsame Pflicht, uns für eine friedliche und atomwaffenfreie Welt einzusetzen!“, schrieb Rendi-Wagner auf Twitter. „Das damals verursachte Leid ist uns bis heute eine Mahnung: Das darf sich niemals wiederholen! Es ist unsere gemeinsame Pflicht, uns für eine friedliche und atomwaffenfreie Welt einzusetzen!“

Um 8.15 Uhr Ortszeit, dem Zeitpunkt, als der US-Bomber Enola Gay die erste im Krieg eingesetzte Atombombe mit dem Namen „Little Boy“ über Hiroshima abgeworfen hatte, legten die Menschen am Dienstag eine Schweigeminute ein. Zehntausende Bewohner waren damals sofort tot, insgesamt starben bis Ende 1945 schätzungsweise 140.000 Menschen.

Drei Tage nach Hiroshima warfen die Amerikaner eine zweite Atombombe über Nagasaki ab. Kurz danach kapitulierte das japanische Kaiserreich. Hiroshima ist heute ein weltweites Symbol für Krieg - und für Frieden.

Die Gedenkzeremonie erfolgte unter dem Eindruck der jüngsten Raketentests Nordkoreas sowie des kürzlichen Ausstiegs der USA aus dem INF-Vertrag. Washington begründete diesen damit, dass Russland mit seinen Waffen seit Jahren gegen das Abkommen verstoße. Moskau warf den USA dagegen vor, mit dem einseitigen Ausstieg aus dem Abrüstungsvertrag die weltweite Sicherheitsstruktur zu unterhöhlen.




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