Letztes Update am Di, 06.08.2019 15:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Kind-Sturz in London: Verdächtiger vor Jugendrichter



Der mutmaßliche Täter vom Londoner Tate-Museum muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Der 17-Jährige erschien am Vormittag vor einem Jugendstrafgericht in Bromley im Südosten Londons, wo er allerdings keine Aussagen machte. Er wird beschuldigt, am Sonntag einen sechsjährigen Buben von einer Aussichtsplattform des Londoner Museums Tate Modern gestoßen zu haben.

Staatsanwältin Sian Morgan zählte am Dienstag die vielen schweren Verletzungen des Kindes auf: gebrochene Wirbelsäule, Brüche an Beinen und Armen sowie eine Gehirnblutung. Der mutmaßliche Täter schwieg vor Gericht. Er bestätigte nur seine Personalien. Am Donnerstag soll er erneut vor Gericht erscheinen, im Londoner Strafgericht Old Bailey.

Bei dem Vorfall am Sonntag war der Sechsjährige vom zehnten Stock gestürzt und auf dem Dach in der fünften Etage gelandet. Der 17-Jährige wurde wegen versuchten Mordes festgenommen. Ermittlungsleiter Massey hatte Augenzeugen der Tat aufgefordert, sich zu melden. Die Ermittler wollten auch mit Menschen sprechen, die ein bis zwei Stunden vorher einen Mann gesehen hätten, dessen Verhalten „unpassend, verdächtig oder besorgniserregend“ gewirkt habe.

Die 47-jährige Nancy Barnfield berichtete, sie habe am Sonntag eine Frau auf der Aussichtsplattform laut schreien hören: „Wo ist mein Sohn, wo ist mein Sohn?“ Der Boulevardzeitung „Daily Mail“ sagte Barnfield, ihr und ihren beiden Söhne sei wenige Augenblicke vor dem Vorfall auf der Plattform ein Unbekannter gefolgt. „Ich habe meinen Kindern gesagt, sie sollen sich von dem Mann fernhalten.“ Er habe sich „seltsam“ verhalten. Nach dem Vorfall hätten Museumsbesucher den mutmaßlichen Täter bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten.

Der Sechsjährige war am Montag außer Lebensgefahr. Der Bub befinde sich „nicht mehr in einer lebensbedrohlichen Lage“, sagte ein Polizeisprecher. Er sei in einem „kritischen, aber stabilen Zustand“. Das Kind war mit seiner Familie aus Frankreich zu Besuch in der britischen Hauptstadt.

Nach Einschätzung der Polizei kannte der Täter sein Opfer nicht. „Das wird als Einzelfall behandelt, ohne klares oder offensichtliches Motiv“, erklärte Ermittlungsleiter John Massey.

Das Museum für moderne Kunst wurde nach dem Vorfall zunächst abgeriegelt und später evakuiert. Am Montag öffnete die Tate Modern wieder, die Aussichtsplattform blieb allerdings geschlossen. Die Tate Gallery of Modern Art zählt zu den beliebtesten Touristenattraktion in Großbritannien. Im vergangenen Jahr besuchten knapp 5,9 Millionen Menschen das Museum.




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