Letztes Update am Mi, 07.08.2019 05:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Präsident Trump besucht nach Bluttaten Dayton und El Paso



US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania wollen am Mittwoch nach Dayton in Ohio und El Paso in Texas reisen - jene Orte, in denen zwei Todesschützen am Wochenende insgesamt mehr als 30 Menschen erschossen hatten. Der Präsident und die First Lady wollten dort ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung ausdrücken für die Betroffenen ausdrücken, erklärte Vizepräsident Mike Pence am Dienstag.

In El Paso an der Grenze zu Mexiko hatte ein Todesschütze am Samstag in einem Einkaufszentrum um sich gefeuert. Insgesamt kamen 22 Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Die Ermittler gehen von einem rassistischen Hintergrund aus. Er habe vor allem Latinos und Mexikaner angreifen wollen, hieß es. Der mutmaßliche Täter - ein 21-jähriger Weißer - ergab sich der Polizei und ist in Gewahrsam. In der Nacht auf Sonntag hatte in Dayton im US-Staat Ohio ein weiterer Schütze neun Menschen getötet. Das Motiv des 24 Jahre alten Täters, der auch seine eigene Schwester erschoss, blieb zunächst unklar.

Der Todesschütze aus Dayton interessierte sich nach Angaben der Ermittler seit Langem für „gewaltsame Ideologien“ und Amokläufe. Die Bundespolizei FBI eröffne daher eine Untersuchung zu dem Fall, gab ein Vertreter der Behörde am Dienstag bekannt. Der Todesschütze habe bereits in der Vergangenheit erkennen lassen, dass er einen Amoklauf habe begehen wollen.

Das FBI machte keine genauen Angaben zur Ideologie des Täters, berichtete aber, die Tat sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht rassistisch motiviert gewesen. Ein 24-Jähriger hatte am Samstagabend mit einem Sturmgewehr vor einer Bar in Dayton scheinbar wahllos das Feuer eröffnet. Er tötete neun Menschen, darunter seine eigene Schwester, bevor er nach rund 30 Sekunden von der Polizei unter Feuer genommen wurde. Der Angreifer wurde getötet. Das Motiv für diese Tat ist bisher unklar. Unter den Opfern sind sechs Schwarze. Ser schütze soll in der Vergangenheit frauenverachtende Verhaltensweisen gezeigt haben.

Der geplante Besuch von Trump stößt bei Bewohnern und örtlichen Politikern auf Kritik. Trump hat die Eindämmung illegaler Einwanderung über die US-mexikanische Grenze zu einem Kernpunkt seiner Präsidentschaft gemacht. Kritiker werfen ihm vor, mit seiner Rhetorik gegen Migranten und politische Gegner den Rassismus im Land zu befeuern.

„Er ist hier nicht willkommen. Er sollte nicht hierherkommen, während wir noch trauern“, sagte die demokratische Kongressabgeordnete Veronica Escobar, die El Paso vertritt. Trotz Einladung werde sie nicht an seinem Besuch teilnehmen. Trump müsse sich entschuldigen und seine „rassistischen und hasserfüllten“ Äußerungen zurücknehmen, schrieb sie am Dienstag auf Twitter. Auch der texanische Präsidentschaftsbewerber Beto O‘Rourke sah Trump in der Verantwortung. Der Präsident habe „geholfen, den Hass zu schaffen, der die Tragödie vom Samstag möglich machte“, erklärte er.

Der Bürgermeister von El Paso, Dee Margo, erklärte, es sei seine Pflicht, den Präsidenten zu begrüßen, das sei jedoch keine politische Botschaft. Er werde sich aber gegen jegliche „verletzenden oder falschen Aussagen“ über El Paso wehren - ein klarer Seitenhieb gegen Trump, der El Paso häufiger kritisiert hatte. Die Stadt stehe für eine grenzübergreifende Kultur nach dem Motto „Bienvenidos“ (Spanisch für Willkommen), sagte Margo - wie Trump ein Republikaner - am Montag.

Trump hatte die verheerenden Bluttaten am Montag als barbarisch verurteilt. Er forderte Gesetzesänderungen, um sicherzustellen, dass psychisch Kranke, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen, nicht in den Besitz von Waffen kommen können. Demokraten forderten dagegen generell strengere Hintergrund-Checks für Waffenkäufer. Sie versuchen seit Monaten, dies im Kongress durchzusetzen, Trumps Republikaner blockieren das Vorhaben jedoch im Senat.

Seit Jahresanfang hat es laut einer Statistik der Organisation Gun Violence Archive in den USA mehr als 250 sogenannte „Mass Shootings“ gegeben, also Fälle, bei denen mindestens vier Menschen durch Schusswaffengewalt verletzt oder getötet wurden. Rechnerisch ist das mehr als ein solcher Fall pro Tag.




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