Letztes Update am Mi, 07.08.2019 12:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Umstrittener Trump-Besuch in Dayton und El Paso



US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania wollen am Mittwoch nach Dayton in Ohio und El Paso in Texas reisen - jene Orte, in denen zwei Todesschützen am Wochenende insgesamt mehr als 30 Menschen erschossen hatten. Der Präsident und die First Lady wollten dort ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung für die Betroffenen ausdrücken, erklärte Vizepräsident Mike Pence am Dienstag.

In El Paso an der Grenze zu Mexiko hatte ein Todesschütze am Samstag in einem Einkaufszentrum um sich gefeuert. Insgesamt kamen 22 Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Die Ermittler gehen von einem rassistischen Hintergrund aus. Er habe vor allem Latinos und Mexikaner angreifen wollen, hieß es. Der mutmaßliche Täter - ein 21-jähriger Weißer - ergab sich der Polizei und ist in Gewahrsam. In der Nacht auf Sonntag hatte in Dayton im US-Staat Ohio ein weiterer Schütze neun Menschen getötet. Das Motiv des 24 Jahre alten Täters, der auch seine eigene Schwester erschoss, blieb zunächst unklar.

Der Todesschütze aus Dayton interessierte sich nach Angaben der Ermittler seit Langem für „gewaltsame Ideologien“ und Amokläufe. Die Bundespolizei FBI eröffne daher eine Untersuchung zu dem Fall, gab ein Vertreter der Behörde am Dienstag bekannt. Der Todesschütze habe bereits in der Vergangenheit erkennen lassen, dass er einen Amoklauf habe begehen wollen.

Das FBI machte keine genauen Angaben zur Ideologie des Täters, berichtete aber, die Tat sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht rassistisch motiviert gewesen. Ein 24-Jähriger hatte am Samstagabend mit einem Sturmgewehr vor einer Bar in Dayton scheinbar wahllos das Feuer eröffnet. Er tötete neun Menschen, darunter seine eigene Schwester, bevor er nach rund 30 Sekunden von der Polizei unter Feuer genommen wurde. Der Angreifer wurde getötet. Das Motiv für diese Tat ist bisher unklar. Unter den Opfern sind sechs Schwarze. Ser schütze soll in der Vergangenheit frauenverachtende Verhaltensweisen gezeigt haben.

Der geplante Besuch von Trump stößt bei Bewohnern und örtlichen Politikern auf Kritik. Trump hat die Eindämmung illegaler Einwanderung über die US-mexikanische Grenze zu einem Kernpunkt seiner Präsidentschaft gemacht. Kritiker werfen ihm vor, mit seiner Rhetorik gegen Migranten und politische Gegner den Rassismus im Land zu befeuern.

Führende Vertreter der Latino-Gemeinde El Paso forderten ein entschiedeneres Handeln der Politik. „Hispanics in diesem Land sind unter Beschuss“, heißt es in einem offenen Brief, den die „Washington Post“ am Mittwoch veröffentlichte. Auch Schwarze und Einwanderer seien Angriffen ausgesetzt. Sowohl die regierenden Republikaner als auch die Demokraten müssten sich für alle Menschen in dem Land einsetzen und anerkennen, dass die Vielfalt die größte Stärke der USA sei.

„Nennen wir den abscheulichen Akt der Gewalt vom Samstag das, was er ist: Ein sorgfältig geplantes und gezieltes Hassverbrechen, gerichtet gegen die hispanische und die Einwanderergemeinde“, heißt es in dem Brief, den 39 Latino-Vertreter unterzeichneten, darunter Politiker und Bürgerrechtler. Mit mehr als 50 Millionen Bürgern sind Menschen mit spanischen oder lateinamerikanischen Wurzeln nach Zahlen des US-Zensus die größte Minderheit in den USA.

Das Blutbad von El Paso und andere vergleichbare Verbrechen könnten nicht einfach mit psychischen Erkrankungen der Täter entschuldigt werden hieß es. „Dies ist schlicht und einfach Hass und weißer Nationalismus, und dieser wird durch verantwortungslose Rhetorik angeheizt.“

Scharfe Kritik üben die Unterzeichner diesbezüglich auch an Präsident Trump. „Er schürt die Flammen des Hasses, der Spaltung und der Bigotterie, die sich gegen uns alle richten - gegen Einwanderer und US-Bürger gleichermaßen.“ Der Präsident decke weiße Nationalisten, indem er Hassreden ausdrücklich und Gewalt stillschweigend befürworte. Das Problem sei eine giftige Mischung aus Waffen und Hass. Deshalb müssten auch strengere Waffengesetze verabschiedet werden.




Kommentieren