Letztes Update am Mi, 07.08.2019 13:59

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wiener Architektur-Schatzsuche bei „Open House“



Schwimmbad, Tresorraum, Schneckenmanufaktur: Die Wiener Baulandschaft ist voll mit versteckten Juwelen. Am 14. und 15. September kann man sich ein Wochenende lang auf architektonische Schatzsuche machen. Im Zuge von „Open House“ sind auch heuer wieder zahlreiche Wohn-, Büro- und Industriegebäude, die normalerweise nicht oder nur schwer zugänglich sind, bei freiem Eintritt für alle geöffnet.

Der Entdeckungsparcours findet bereits zum sechsten Mal statt. Trotzdem sei dieses Jahr ein Großteil der Gebäude erstmals im Programm vertreten, freute sich Iris Kaltenegger bei der Präsentation am Mittwoch: „52 von 69, also drei Viertel, sind neu dabei.“ Verteilt sind die 69 Stationen einmal mehr über die ganze Stadt, einige Locations finden sich auch im nahen niederösterreichischen Umland - darunter das Wienerwaldbad Purkersdorf.

Hervorheben wollen die Organisatorinnen, neben Kaltenegger auch Architektin Ulla Unzeitig, bei der sechsten „Open House“-Ausgabe den „urbanen Mix“ - sprich: die Koexistenz von Wohnen, Arbeit und Produktion. Dafür hat man zwei Trails zusammengestellt, also eine Art themenbezogene Pfade.

Beim ersten werden verschiedene Gemeindebauten vorgestellt. Denn in den Vorzeigeprojekten des Roten Wien sei von Anfang an die Mischung von Wohnen und Arbeiten gelegt worden, beispielsweise in Form von kleinen Geschäften oder Betrieben in den Erdgeschoßzonen, sagte Unzeitig. Sechs Sozialbauten werden vorgestellt, darunter auch die Wohnsiedlung Schmelz als eine der ältesten, und die außergewöhnliche Wohnsiedlung Am Schöpfwerk. Dank aufgeschlossener Bewohner können auch einzelne Wohnungen besichtigt werden.

Der zweite Trail nennt sich „urbane Produktion“. Traditionsreiche und junge Lebensmittelproduzenten, die teils mitten im dicht besiedelten Gebiet angesiedelt sind, zeigen ihre Stätten her. Darunter sind etwa der Donaustädter Betrieb „Hut und Stiel“, der auf Kaffeesatz Pilze wachsen lässt, die Ottakringer-Brauerei oder die Schneckenmanufaktur Gugumuck in einem Hof in Rothneusiedl. Das Thema regionale Lebensmittelversorgung werde immer relevanter. „Wir wollen zeigen, was in und rund um Wien alles möglich ist“, erklärte Unzeitig.

Abgesehen von diesen kleinen Schwerpunkten setzt „Open House“ erneut auf bunte Vielfalt. Das Spektrum reicht vom Tresorraum der Länderbank von Otto Wagner über Sakralbauten wie das Dominikanerkloster, die Kapelle in der Rossauer Kaserne oder die Wotruba-Kirche bis zur Zentrale der städtischen Müllabfuhr, deren Fassade vollständig bewachsen ist. Dort bekomme man erklärt, wie komplex Planung und Umsetzung von in Zeiten des Klimawandels immer relevanter werdenden Gebäudebegrünungen seien, warb Unzeitig. Es sei nämlich nicht damit getan, „einfach Pflanzen draufzuklatschen“.

Apropos Botanik: In die Kategorie außergewöhnlich fällt wohl das BRG Schuhmeierplatz in Ottakring, wo der Biologiesaal und ein Klassenzimmer begrünt wurden - und zwar für ein Forschungsprojekt. Wissen will man, wie Pflanzen in Innenräumen auf CO2-Gehalt, Schallpegel oder Luftfeuchtigkeit, aber auch auf das soziale Verhalten Einfluss nehmen.

aufsuchen. Denn fast alle Gebäude haben entweder nur am Samstag oder nur am Sonntag geöffnet. Bei einigen Locations werden rund 20-minütige Führungen mit Architekturexperten angeboten, an allen Stationen stehen aber jedenfalls geschulte Freiwillige für Auskünfte zur Verfügung.

Das „Open House“-Konzept stammt ursprünglich aus London, wo vor 27 Jahren die erste Ausgabe stattgefunden hat. Inzwischen gibt es die Initiative in rund 40 Städten. Zur vorjährigen Wiener Ausgabe konnten 35.000 Besucher gelockt werden.




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