Letztes Update am Mi, 07.08.2019 16:37

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pakistan schränkt diplomatische Beziehungen zu Indien ein



Als Konsequenz auf die Aberkennung der Autonomierechte für den indischen Teil der Kaschmir-Region durch die Regierung in Neu-Delhi will Pakistan seine diplomatischen Beziehungen zu dem Nachbarland erheblich einschränken. Das teilte das Nationale Sicherheitskomitee in Islamabad am Mittwoch mit. Zugleich wolle man den bilateralen Handel mit Indien aussetzen und bilaterale Abkommen überprüfen.

Der indische Botschafter in Islamabad werde ausgewiesen, so die Regierung. Wie genau die Herabstufung der diplomatischen Beziehungen aussehen soll, blieb zunächst offen. In der Vergangenheit wurden bei Krisen zwischen den beiden Erzfeinden die Anzahl der Diplomaten gekürzt, deren Bewegungsfreiheit eingeschränkt und diplomatische Engagements auf einen sehr engen Rahmen beschränkt. Die pakistanische Regierung kündigte zudem an, den „illegalen, einseitigen“ Schritt Indiens über das Himalaya-Tal - das auf mehrere Länder aufgeteilt ist - vor den UNO-Sicherheitsrat bringen zu wollen.

Am Montag hatte Indien den international anerkannten Sonderstatus der Region Jammu und Kaschmir überraschend aufgehoben. Der Konflikt in dem Himalaya-Gebiet dauert bereits mehr als 70 Jahre. Seitdem Britisch-Indien im Jahr 1947 unabhängig und in Indien und Pakistan geteilt wurde, streiten die beiden Länder um die gesamte Herrschaft über Kaschmir, zwei Kriege wurden deswegen bereits geführt. Beide Atommächte beherrschen jeweils einen Teil von Kaschmir, ein weiterer Teil gehört zu China.

Der von Neu-Delhi aufgehobene Artikel 370 der Verfassung garantierte der indisch-kontrollierten Region Kaschmir unter anderem eine eigene Verfassung, eine eigene Flagge und weitgehende Kompetenzen mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik. Nicht-Kaschmirern war es bisher verboten, permanent in der Region zu leben.

Im neu entbrannten Konflikt gab es außerdem den ersten bekannt gewordenen Todesfall. Ein Demonstrant, der gegen die verhängte Ausgangssperre verstoßen hatte, starb in Srinagar auf der Flucht vor der Polizei. Der Jugendliche war auf der Flucht in den Jhelum-Fluss gesprungen und gestorben, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Polizeikreisen erfuhr. Mindestens sechs Menschen seien zudem mit Schusswunden und anderen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Der Vorfall ereignete sich in der Altstadt von Srinagar, die bereits in den vergangenen Jahrzehnten ein Zentrum anti-indischer Proteste war. Die indische Polizei führt an, die Lage in Kaschmir sei seit dem Verhängen der Ausgangssperre am Sonntag weitgehend friedlich. Trotz der Ausgangssperre kommt es nach Angaben von Bewohnern in Srinagar immer wieder zu Protesten.




Kommentieren