Letztes Update am Do, 08.08.2019 11:09

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trump besuchte Massaker-Städte Dayton und El Paso



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US-Präsident Donald Trump sieht sich nach den Massakern in El Paso und Dayton mit 31 Toten erneut mit Rufen nach einer Verschärfung der Waffengesetze konfrontiert. Bei seinen Besuchen in beiden Städten am Mittwoch (Ortszeit) forderten Politiker eindringlich strikte Hintergrundchecks für Waffenkäufer und ein Verbot von Sturmgewehren im Land. Beide Besuche wurden von Protesten begleitet.

Führende demokratische Präsidentschaftsbewerber kritisierten erneut seine Rhetorik gegen Migranten und Minderheiten. In El Paso an der Grenze zu Mexiko hatte ein Schütze am Samstag in einem Einkaufszentrum um sich gefeuert. Insgesamt kamen 22 Menschen ums Leben, darunter mehrere Mexikaner und auch ein Deutscher. Die Ermittler gehen von einem rassistischen Hintergrund aus. Der mutmaßliche Täter, ein 21-jähriger Weißer, ergab sich der Polizei und ist in Gewahrsam. In der Nacht auf Sonntag hatte in Dayton ein weiterer Schütze neun Menschen getötet. Das Motiv des 24 Jahre alten Täters ist bisher unklar. Der Mann wurde von der Polizei erschossen.

Ein Foto von Trump und First Lady Melania, das sie im Krankenhaus am Bett eines bei einem der Attentate verletzten Mädchens zeigt, löste Empörung in den sozialen Medien aus. Mehrere Nutzer stießen sich an der Art und Weise, wie beide mit Opfern posierten.

Trump selbst zeigte sich nach seinen Besuchen in El Paso und Dayton zufrieden - und teilte zeitgleich gegen die ihm kritisch gegenüberstehende Presse aus: „Welch großartige Menschen habe ich dort (in El Paso) und in Dayton, Ohio, getroffen. Die Fake News machten Überstunden, um mich und die beiden Besuche zu verunglimpfen, aber es hat nicht funktioniert“, schrieb er auf Twitter. „Die Liebe, der Respekt und die Begeisterung waren für alle sichtbar.“

Die Mutter des 21 Jahre alten mutmaßlichen Schützen von El Paso soll bei der Polizei Wochen vor der Bluttat angerufen und sich besorgt gezeigt haben, dass ihr Sohn in seinem Alter und ohne Waffenerfahrung ein Sturmgewehr vom Typ AK besitze, berichtete der US-Sender CNN unter Berufung auf die Anwälte der Familie. Sie habe aber nicht vor einer möglichen Attacke ihres Sohnes gewarnt, hieß es.

Es war zunächst nicht klar, ob die Mutter sich mit ihrem anonymen Anruf bei der Polizei im texanischen Allen auf die Waffe bezog, mit der ihr Sohn im fast 1.000 Kilometer entfernten El Paso um sich schoss. Der Polizeibeamte habe ihr gesagt, der Waffenbesitz ihres Sohnes sei legal, zitierte CNN die Anwälte weiter. Aufzeichnungen über das Telefonat lägen nicht vor, antwortete die Polizei auf Anfrage des Senders.

Trump traf sich in Dayton und El Paso mit Opfern und Helfern. Daytons Bürgermeisterin Nan Whaley sagte, sie habe Trump dringend aufgerufen, eine Verschärfung der Waffengesetze anzustoßen. Waffen wie jene des Schützen von Dayton müssten verboten werden. Wenn nichts passiere, werde es wahrscheinlich schon sehr bald das nächste Blutbad geben. Der demokratische Senator aus Ohio, Sherrod Brown, erklärte, er habe an Trump appelliert, sich für eine Sondersitzung des republikanisch dominierten Senats einzusetzen, um dort die Einführung strenger Hintergrundchecks für Waffenkäufer zu beschließen.

Das von den Demokraten dominierte Repräsentantenhaus hatte bereits im Februar einen Gesetzentwurf dazu verabschiedet. Die Demokraten werfen dem Mehrheitsführer im Senat, dem Republikaner Mitch McConnell, vor, eine Abstimmung darüber in der Kammer jedoch zu blockieren.

Trump sagte, Hintergrundchecks für Waffenbesitzer seien wichtig. Dafür gebe es im Kongress in beiden Parteien große Unterstützung. Unklar blieb aber, ob Trump den Entwurf der Demokraten unterstützt oder nur Checks in geringerem Umfang befürwortet. „Ich will mental instabilen Menschen keine Waffen geben, oder Menschen mit Wut und Hass, oder kranken Menschen“, sagte er. Weitergehende Schritte wie ein Verbot von Sturmgewehren hätten keine Unterstützung, sagte er.

Kritiker werfen dem Präsidenten ferner vor, mit seiner Rhetorik gegen Migranten den Rassismus im Land zu befeuern. Sie sehen daher eine Mitschuld Trumps an der rassistisch motivierten Attacke von El Paso. Der mutmaßliche Täter dort soll seinen Angriff „als Antwort auf die hispanische Invasion in Texas“ bezeichnet haben. Trump hatte die Eindämmung illegaler Einwanderung über die Grenze zu Mexiko zu seiner Priorität gemacht und dabei selbst öfter von „Invasion“ gesprochen.

Ex-US-Vizepräsident Joe Biden warf Trump vor, er befeuere mit seiner Sprache den Rechtsextremismus von Weißen im Land. Trump fehle die moralische Autorität, das Land zu führen, sagte er bei einem Auftritt im US-Bundesstaat Iowa. Biden ist bisher der aussichtsreichste Bewerber der Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur für 2020. Auch seine Parteikollegen und Präsidentschaftsbewerber Elizabeth Warren und Beto O‘Rourke unterstellten Trump, mit seiner Rhetorik Hass zu schüren und die Nation zu spalten.

Vor seiner Abreise nach Dayton und El Paso sagte Trump auf Fragen von Journalisten, er glaube nicht, dass seine Worte Rassismus und Gewalt beförderten. „Ich denke, meine Rhetorik bringt Menschen zusammen“, sagte Trump. Trump sagte, seine Kritiker wollten bloß politisch punkten. Aus derlei Auseinandersetzungen wolle er sich heraushalten.




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