Letztes Update am Do, 08.08.2019 11:40

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Indien möchte diplomatische Beziehungen zu Pakistan behalten



Inmitten des zugespitzten Streits um die Himalaya-Region Kaschmir hat Indien den Nachbarn Pakistan aufgerufen, die Ausweisung des indischen Botschafters zu überdenken. Die normalen Kanäle zur diplomatischen Kommunikation sollten erhalten blieben, teilte das Außenministerium in Neu-Delhi am Donnerstag mit. Pakistan hatte zuvor angekündigt, den indischen Botschafter aus Islamabad auszuweisen.

Zudem soll Pakistans neu ernannter Botschafter für Indien nicht nach Neu-Delhi entsandt werden. Auch der Handel mit dem Erzrivalen soll ausgesetzt werden. Pakistan reagierte damit auf die Entscheidung Indiens vor wenigen Tagen, dem von ihm beherrschten Teil Kaschmirs Sonderrechte zu nehmen.

Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, streiten seit Jahrzehnten um die vollständige Kontrolle über die Himalaya-Region Kaschmir. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 haben sie bereits drei Mal Krieg gegeneinander geführt. Vor einigen Monaten hatte Indien erstmals seit dem Krieg 1971 Angriffe auf pakistanisches Gebiet geflogen.

Bisher hatte der indische Bundesstaat Jammu und Kaschmir, zu dem auch die Provinz Jammu gehört, das Recht, eigene Gesetze zu beschließen. Die bisherige Autonomieregelung sicherte der indischen Kaschmir-Region unter anderem eine eigene Verfassung und Flagge sowie weitgehende Kompetenzen zu - mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik sowie der Telekommunikation. Diese in der Verfassung festgeschriebene Bestimmung wurde nun aufgehoben. Nach Darstellung Indiens wurde durch den Sonderstatus die Entwicklung Kaschmirs behindert. Die Region, in der mehrheitlich Muslime leben, soll nun in das überwiegend hinduistische Land integriert werden. Pakistan, das muslimisch geprägt ist, wertet diesen Vorstoß als illegal. Auch China, das ebenfalls einen Teil von Kaschmir beansprucht, hat dagegen protestiert.

Um Proteste in Kaschmir zu unterdrücken, wurden nach Angaben der indischen Polizei mindestens 300 Politiker und Separatisten festgenommen. Viele von ihnen arbeiten auf eine Loslösung Kaschmirs von Indien hin. Seit Sonntag sind in der Region Mobilfunknetze, Fernsehen und Internet unterbrochen. Öffentliche Versammlungen wurden untersagt. In der größten Stadt Srinagar wurden Tausende Angehörige der paramilitärischen Polizei konzentriert. Dort sind die Schulen geschlossen, Straßen und Viertel wurden abgeriegelt. Aus Polizeikreisen verlautete, es habe bereits einige Protestkundgebungen gegeben.




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