Letztes Update am Do, 08.08.2019 12:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Indien möchte diplomatische Beziehungen zu Pakistan behalten



Inmitten des zugespitzten Streits um die Region Kaschmir hat Indien den Nachbarn Pakistan aufgerufen, die Ausweisung des indischen Botschafters zu überdenken. Die normalen Kanäle zur diplomatischen Kommunikation sollten erhalten blieben, teilte das Außenministerium in Neu-Delhi mit. Außerdem sei das Vorgehen Indiens eine „innere Angelegenheit“, in die sich Pakistan nicht einmischen solle.

Pakistan hatte zuvor angekündigt, den indischen Botschafter aus Islamabad auszuweisen. Zudem soll Pakistans neu ernannter Botschafter für Indien nicht nach Neu-Delhi entsandt werden. Auch der Handel mit dem Erzrivalen soll ausgesetzt werden. Am Donnerstag wurde außerdem angekündigt, dass die Eisenbahnverbindung zu Indien gekappt werde. „Wir haben beschlossen, den Samjhauta Express einzustellen“, sagte der pakistanische Bahnminister Sheikh Rasheed in Islamabad. Solange er Bahnminister sei, könne diese Verbindung zwischen der pakistanischen Stadt Lahore und der indischen Hauptstadt Neu-Delhi nicht betrieben werden. Pakistan reagierte damit auf die Entscheidung Indiens vor wenigen Tagen, dem von ihm beherrschten Teil Kaschmirs Sonderrechte zu nehmen.

Indiens Premierminister Narendra Modi will sich an diesem Donnerstag erstmals an die Nation wenden, um das Vorgehen rund um Kaschmir zu erklären. Modi werde sich um 16.30 Uhr MESZ (20.00 Uhr Ortszeit) in einer Radioansprache äußern, heißt es auf Twitter.

Um Proteste in Kaschmir zu unterdrücken, wurden nach Angaben der indischen Polizei mindestens 560 Politiker und Separatisten festgenommen. Wie die Zeitungen „Trust of India“ und „Indian Express“ berichteten, waren Universitätsprofessoren, Wirtschaftsführer und Aktivisten unter den Festgenommenen. Sie wurden demnach in provisorische Gefangenenlager gebracht. Viele von ihnen arbeiten auf eine Loslösung Kaschmirs von Indien hin. Seit Sonntag sind in der Region Mobilfunknetze, Fernsehen und Internet unterbrochen. Öffentliche Versammlungen wurden untersagt. In der größten Stadt Srinagar wurden Tausende Angehörige der paramilitärischen Polizei konzentriert. Dort sind die Schulen geschlossen, Straßen und Viertel wurden abgeriegelt. Aus Polizeikreisen verlautete, es habe bereits einige Protestkundgebungen gegeben.

Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, streiten seit Jahrzehnten um die vollständige Kontrolle über die Himalaya-Region Kaschmir. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 haben sie bereits drei Mal Krieg gegeneinander geführt. Vor einigen Monaten hatte Indien erstmals seit dem Krieg 1971 Angriffe auf pakistanisches Gebiet geflogen.

Bisher hatte der indische Bundesstaat Jammu und Kaschmir, zu dem auch die Provinz Jammu gehört, das Recht, eigene Gesetze zu beschließen. Die bisherige Autonomieregelung sicherte der indischen Kaschmir-Region unter anderem eine eigene Verfassung und Flagge sowie weitgehende Kompetenzen zu - mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik sowie der Telekommunikation. Diese in der Verfassung festgeschriebene Bestimmung wurde nun aufgehoben. Nach Darstellung Indiens wurde durch den Sonderstatus die Entwicklung Kaschmirs behindert. Die Region, in der mehrheitlich Muslime leben, soll nun in das überwiegend hinduistische Land integriert werden. Pakistan, das muslimisch geprägt ist, wertet diesen Vorstoß als illegal. Auch China, das ebenfalls einen Teil von Kaschmir beansprucht, hat dagegen protestiert.




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