Letztes Update am Do, 08.08.2019 13:47

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pakistan stellt die einzige Zugverbindung zu Indien ein



Inmitten des zugespitzten Streits um die Region Kaschmir hat Pakistan am Donnerstag neue Maßnahmen verkündet. Neben dem Ausweisen des indischen Botschafters und dem Aussetzen des Handels mit Indien soll nun auch die Zugverbindung zu Indien vorübergehend eingestellt werden. „Wir haben beschlossen, den Samjhauta Express einzustellen“, sagte der pakistanische Bahnminister Sheikh Rasheed in Islamabad.

Solange er Bahnminister sei, könne diese Verbindung zwischen der pakistanischen Stadt Lahore und der indischen Hauptstadt Neu-Delhi nicht betrieben werden. Der Samjhauta-Express, auch „Friedenszug“ genannt, fährt üblicherweise zwei Mal in der Woche von der östlichen Stadt Lahore über den Wagah-Grenzübergang nach Neu Delhi. Zudem soll Pakistans neu ernannter Botschafter für Indien nicht nach Neu-Delhi entsandt werden. Auch indische Filme sollen aus pakistanischen Kinos verbannt werden. Pakistan reagierte damit auf die Entscheidung Indiens vor wenigen Tagen, dem von ihm beherrschten Teil Kaschmirs Sonderrechte zu nehmen.

Am Donnerstag sagte der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi, der geplante Kartarpur-Grenzkorridor sei von den Maßnahmen nicht betroffen. Dieser soll indischen Anhängern des Sikh-Glaubens den Besuch eines ihrer heiligsten Schreine im pakistanischen Kartarpur Sahib erleichtern. Eine Eröffnung ist für Herbst geplant.

Indien hat den Nachbarn Pakistan indes dazu aufgerufen, die Ausweisung des indischen Botschafters zu überdenken. Die normalen Kanäle zur diplomatischen Kommunikation sollten erhalten blieben, teilte das Außenministerium in Neu-Delhi mit. Außerdem sei das Vorgehen Indiens eine „innere Angelegenheit“, in die sich Pakistan nicht einmischen solle.

Um Proteste in Kaschmir zu unterdrücken, wurden nach Angaben der indischen Polizei bisher mindestens 560 Politiker und Separatisten festgenommen. Wie die Zeitungen „Trust of India“ und „Indian Express“ berichteten, waren Universitätsprofessoren, Wirtschaftsführer und Aktivisten unter den Festgenommenen. Sie wurden demnach in provisorische Gefangenenlager gebracht. Viele von ihnen arbeiten auf eine Loslösung Kaschmirs von Indien hin. Seit Sonntag sind in der Region Mobilfunknetze, Fernsehen und Internet unterbrochen. Öffentliche Versammlungen wurden untersagt. In der größten Stadt Srinagar wurden Tausende Angehörige der paramilitärischen Polizei konzentriert. Dort sind die Schulen geschlossen, Straßen und Viertel wurden abgeriegelt. Aus Polizeikreisen verlautete, es habe bereits einige Protestkundgebungen gegeben.

Indiens Premierminister Narendra Modi will sich an diesem Donnerstag erstmals an die Nation wenden, um das Vorgehen rund um Kaschmir zu erklären. Modi werde sich um 16.30 Uhr MESZ (20.00 Uhr Ortszeit) in einer Radioansprache äußern, heißt es auf Twitter.

Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, streiten seit Jahrzehnten um die vollständige Kontrolle über die Himalaya-Region Kaschmir. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 haben sie bereits drei Mal Krieg gegeneinander geführt. Vor einigen Monaten hatte Indien erstmals seit dem Krieg 1971 Angriffe auf pakistanisches Gebiet geflogen.

Bisher hatte der indische Bundesstaat Jammu und Kaschmir, zu dem auch die Provinz Jammu gehört, das Recht, eigene Gesetze zu beschließen. Die bisherige Autonomieregelung sicherte der indischen Kaschmir-Region unter anderem eine eigene Verfassung und Flagge sowie weitgehende Kompetenzen zu - mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik sowie der Telekommunikation. Diese in der Verfassung festgeschriebene Bestimmung wurde nun aufgehoben. Nach Darstellung Indiens wurde durch den Sonderstatus die Entwicklung Kaschmirs behindert. Die Region, in der mehrheitlich Muslime leben, soll nun in das überwiegend hinduistische Land integriert werden. Pakistan, das muslimisch geprägt ist, wertet diesen Vorstoß als illegal. Auch China, das ebenfalls einen Teil von Kaschmir beansprucht, hat dagegen protestiert.




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