Letztes Update am Do, 08.08.2019 14:22

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ein Toter und mindestens 50 Verletzte in Kirgistan



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Bei Ausschreitungen in der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Kirgistan sind mindestens 50 Menschen verletzt worden. Ein Angehöriger der Sicherheitskräfte sei getötet worden, ein weiterer liege in kritischem Zustand in einem Krankenhaus, meldeten kirgisische Medien. Zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen kam es bei der versuchten Festnahme von Ex-Präsident Almasbek Atambajew.

Er sieht sich unter anderem Korruptionsvorwürfen ausgesetzt, die er bestreitet. Sondereinheiten wollten das Haus des Ex-Staatsoberhauptes stürmen. In dem Dorf Koy-Tash in der Nähe von Bischkek hätten sich etwa 1.000 Gefolgsleute Hunderten Uniformierten in den Weg gestellt. Atambajews Anhänger hätten etwa mit Bussen und Autos Barrikaden errichtet.

Die Sicherheitskräfte wollen Atambajew zu einem Verhör zu den Anschuldigungen zwingen. Der Ex-Präsident der sozialdemokratischen Partei von Kirgistan verweigerte dies, sicherte aber die Bereitschaft zu, schriftlich zu antworten. Er ließ mitteilen, dass er in Sicherheit sei und weiter auch mit Waffengewalt Widerstand gegen seine Festnahme leisten werde.

Die Polizei hat unterdessen erneut versucht, das Haus von Atambajew zu stürmen. Die Beamten setzten Blendgranaten ein, wie kirgisische Medien am Donnerstag meldeten. Zunächst war unklar, ob sie in das Gebäude eindringen konnten. Augenzeugen berichteten, dass Sicherheitskräfte mit Spezialausrüstung in das Dorf Koy-Tash in der Nähe der Hauptstadt Bischkek angerückt seien.

Auf Videos waren Schüsse zu hören. Das kirgisische Sicherheitskomitee bekräftigte, es seien nur Plastikkugeln zum Einsatz gekommen. Es würden keine Schusswaffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Am Donnerstag hätten die meisten Sicherheitskräfte das Dorf wieder verlassen, „um weitere Zusammenstöße zu vermeiden“.

Präsident Sooronbaj Scheenbekow warf seinem Amtsvorgänger vor, zum bewaffneten Widerstand aufgerufen und damit gegen Gesetze verstoßen zu haben. Kirgistan sei ein Rechtsstaat, sagte er nach einer Sitzung des Sicherheitsrats. Es würde alle Maßnahme ergriffen, damit Frieden, Sicherheit und die Rechtsstaatlichkeit gewährleiste bleibe.

Das verarmte Hochgebirgsland an der Grenze zu China galt lange als Insel der Demokratie inmitten autoritärer Staaten in Zentralasien. Kirgistan hatte bereits mehrere Revolutionen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt. Scheenbekow hatte Atambajew im Oktober 2017 abgelöst. Es war der erste Machtwechsel, der nach Umstürzen in den Jahren zuvor friedlich ablief.

Russische Politiker äußerten sich besorgt über die Entwicklung. Auch Präsident Wladimir Putin, der als Vertrauter von Atambajew gilt, lasse sich über die Lage fortwährend informieren, teilte der Kreml mit. Russland sieht Kirgistan als seinen Einflussbereich an. Das russische Außenministerium stellte aber klar, Moskau betrachte die Ereignisse in Kirgisistan als eine innere Angelegenheit des Land.




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