Letztes Update am Do, 08.08.2019 14:41

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kaschmir-Konflikt: Pakistan schließt militärische Option aus



Pakistan hat eine militärische Reaktion auf die umstrittene Aufhebung des Sonderstatus für die indisch-kontrollierte Kaschmir-Region ausgeschlossen. Man prüfe politische, diplomatische und rechtliche Optionen, sagte Außenminister Shah Mehmood Qureshi in Islamabad am Donnerstag. „Eine militärische Reaktion prüfen wir nicht“, sagte Qureshi.

„Aber haben wir nicht das Recht, im Falle einer Aggression zu antworten?“, so der Minister. Islamabad werde sich bald an den UN-Sicherheitsrat wenden und würde auch eine Vermittlung etwa der Europäischen Union in dem Konflikt begrüßen. Der Luftraum über Pakistan solle geöffnet bleiben. Auch bei dem geplanten Kartarpur-Grenzkorridor solle es bleiben, sagte Qureshi. Dieser soll indischen Anhängern des Sikh-Glaubens den Besuch eines ihrer heiligsten Schreine im pakistanischen Kartarpur Sahib erleichtern. Eine Eröffnung ist für Herbst geplant.

Wenige Stunden davor hatte Eisenbahnminister Sheikh Rashid Ahmed erklärt, die einzige Zugverbindung nach Indien werde vorübergehend eingestellt. „Wir haben beschlossen, den Samjhauta Express einzustellen“, sagte der pakistanische Bahnminister Sheikh Rasheed am Donnerstag in Islamabad. „Solange ich Bahnminister bin, kann der Samjhauta Express nicht fahren“, sagte Rasheed. Die nicht nur verkehrstechnisch wichtige, sondern auch symbolische Strecke verbindet die ostpakistanische Metropole Lahore und die indische Hauptstadt Neu-Delhi. Der „Freundschaftsexpress“ hatte erst im März wieder den Betrieb aufgenommen. Er war für kurze Zeit ausgesetzt worden, nachdem Indien nach eigenen Angaben ein Terroristenlager in Pakistan aus der Luft angegriffen hatte.

Aber auch die diplomatischen sowie wirtschaftlichen Beziehungen möchte Pakistan vorerst kappen. So soll der indische Botschafter ausgewiesen werden und auch der gerade erst ernannte pakistanische Botschafter für Indien wird nicht nach Neu-Delhi entsandt. Der Handel mit dem Erzfeind wurde ebenfalls ausgesetzt. Im kulturellen Bereich gibt es zusätzliche Maßnahmen. So werden in Zukunft indische Filme in keinem pakistanischen Kino mehr gespielt. Pakistan reagierte damit auf die Entscheidung Indiens vor wenigen Tagen, dem von ihm beherrschten Teil Kaschmirs Sonderrechte zu nehmen.

Indien hat den Nachbarn Pakistan indes dazu aufgerufen, die Ausweisung des indischen Botschafters zu überdenken. Die normalen Kanäle zur diplomatischen Kommunikation sollten erhalten blieben, teilte das Außenministerium in Neu-Delhi mit. Außerdem sei das Vorgehen Indiens eine „innere Angelegenheit“, in die sich Pakistan nicht einmischen solle.

Um Proteste in Kaschmir zu unterdrücken, wurden nach Angaben der indischen Polizei bisher mindestens 300 Politiker und Separatisten festgenommen. Wie die Zeitungen „Trust of India“ und „Indian Express“ berichteten, waren Universitätsprofessoren, Wirtschaftsführer und Aktivisten unter den Festgenommenen. Sie wurden demnach in provisorische Gefangenenlager gebracht. Viele von ihnen arbeiten auf eine Loslösung Kaschmirs von Indien hin. Seit Sonntag sind in der Region Mobilfunknetze, Fernsehen und Internet unterbrochen. Öffentliche Versammlungen wurden untersagt. In der größten Stadt Srinagar wurden Tausende Angehörige der paramilitärischen Polizei konzentriert. Dort sind die Schulen geschlossen, Straßen und Viertel wurden abgeriegelt. Aus Polizeikreisen verlautete, es habe bereits einige Protestkundgebungen gegeben.

Nach Darstellung Indiens wurde durch den Sonderstatus die Entwicklung Kaschmirs behindert. Die Region, in der mehrheitlich Muslime leben, soll nun in das überwiegend hinduistische Land integriert werden. Pakistan, das muslimisch geprägt ist, wertet diesen Vorstoß als illegal. Auch China, das ebenfalls einen Teil von Kaschmir beansprucht, hat dagegen protestiert.

Indiens Premierminister Narendra Modi will sich an diesem Donnerstag erstmals an die Nation wenden, um das Vorgehen rund um Kaschmir zu erklären. Modi werde sich um 16.30 Uhr MESZ (20.00 Uhr Ortszeit) in einer Radioansprache äußern, heißt es auf Twitter.

Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, streiten seit Jahrzehnten um die vollständige Kontrolle über die Himalaya-Region Kaschmir. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 haben sie bereits drei Mal Krieg gegeneinander geführt. Vor einigen Monaten hatte Indien erstmals seit dem Krieg 1971 Angriffe auf pakistanisches Gebiet geflogen.

Bisher hatte der indische Bundesstaat Jammu und Kaschmir, zu dem auch die Provinz Jammu gehört, das Recht, eigene Gesetze zu beschließen. Die bisherige Autonomieregelung sicherte der indischen Kaschmir-Region unter anderem eine eigene Verfassung und Flagge sowie weitgehende Kompetenzen zu - mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik sowie der Telekommunikation. Diese in der Verfassung festgeschriebene Bestimmung wurde nun aufgehoben. Nach Darstellung Indiens wurde durch den Sonderstatus die Entwicklung Kaschmirs behindert. Die Region, in der mehrheitlich Muslime leben, soll nun in das überwiegend hinduistische Land integriert werden. Pakistan, das muslimisch geprägt ist, wertet diesen Vorstoß als illegal. Auch China, das ebenfalls einen Teil von Kaschmir beansprucht, hat dagegen protestiert.




Kommentieren